Eric Clapton zum 70. Geburtstag Bändiger des Schmerzes

Er lässt sein Spiel leicht und beiläufig wirken: Eric Clapton, ein Meister der Gitarre.

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Der Blues ist in diesem Gitarren-Großmeister zur Lebensform geworden, im engsten Sinne des Wortes. Nun feiert Eric Clapton, der die populäre Musik geprägt hat wie wenige, seinen 70. Geburtstag.

Von Thomas Steinfeld

Wenn Eric Clapton in ein paar Wochen auf der Bühne der Royal Albert Hall in London stehen wird, an sieben Abenden hintereinander, wird es dort ein doppeltes Jubiläum zu feiern geben.

Das eine gilt dem fünfzigsten Jahrestag seines ersten Erscheinens auf dieser Bühne: Zuerst war er dort im Dezember 1964 mit den Yardbirds aufgetreten, einer der vielen britischen Gruppen jener Zeit, die den Blues aus Amerika nach Europa geholt hatten, um ihn dann später, lauter und kompakter geworden und mit der englischen Volksmusik verschmolzen, an Amerika zurückzugeben. Das andere ist der siebzigste Geburtstag des Gitarristen und Sängers, der auf den 30. März fällt, auf diesen Montag also.

Und so unwahrscheinlich es zu Zeiten gewesen sein mag, vor allem des Alkohols und der harten Drogen wegen, dass Eric Clapton diesen Tag erlebt, so zeitlos und selbstverständlich wird die Musik sein, die er an diesen Abenden darbieten wird.

Eines seiner erfolgreichsten Lieder aus den Achtzigerjahren heißt "Forever Man", und wenn der Titel auch nicht so gemeint war, so hat er doch längst programmatischen Charakter angenommen.

Einen Musiker gibt es, den Eric Clapton mehr verehrt als all die anderen schwarzen Sänger und Gitarristen, die ihn sein Leben lang begleitet haben: Robert Johnson, ein im Jahr 1938 getöteter Vagabund, mit dem der Blues als kompositorisch geschlossene Form begann.

Die Musik dieses Mannes aus Mississippi, erklärt Eric Clapton in einem Buch, das seinem Vorbild gewidmet ist, sei der "wirkungsvollste Schmerzenslaut" ("the most powerful cry"), den man in der menschlichen Stimme finden könne. Vom Schmerz, wie er dem Blues zugrunde liegt, handelt der größte Teil der Musik Eric Claptons, von "No Reason to Cry" (1976) bis zur Ballade aller Balladen, dem allgegenwärtigen Abschiedslied "Tears in Heaven" (1992), bis zu "River Runs Deep" (2010), eines der lakonischen kleinen Meistwerke von J. J. Cale.

Jugendlicher Furor in souverän geläuterter Form

Eric Clapton hat den Schmerz sublimiert. Er hat ihn, was kein Widerspruch ist, zivil gemacht, ihm Beständigkeit und oft sogar Eleganz verliehen. Seine weiche Stimme hat ihm dabei geholfen.

Das gilt selbst für seine scheinbar wildesten Momente, für die langen Soli bei Cream etwa, des Trios, in der sich zuerst die Wandlung der populären Musik zu einer Angelegenheit für Virtuosen vollzog. Als Cream 2005 noch einmal in der Royal Albert Hall auftrat, war der jugendliche Furor in souverän geläuterter Form zu erleben.

Eric Clapton ist ein Meister auf der Gitarre, einer der größten, die es in der Geschichte der populären Musik gibt. Aber er zeigt seine Meisterschaft ganz selten. Er zieht sich zurück auf seine geschmackvoll intonierten Lieder, er lässt sein Spiel, was schwierig ist, leicht und beiläufig wirken. Die Konzerte in der Royal Albert Hall im Mai werden, so ist zu vermuten, nicht die letzten sein. Der Blues ist in diesem Musiker zur Lebensform geworden, im engsten Sinne des Wortes.