Zum 70. Geburtstag Salman Rushdies Mit Ironie gegen alle Morddrohungen

Als Werbetexter schuf er das Wort "irresistibubble", er selbst ist wohl eher unwiderausstehlich: Salman Rushdie.

(Foto: Mauritius Images)

Der Autor Salman Rushdie, durch ein Todesurteil bedroht und unfreiwillige Symbolfigur der kulturellen Globalisierung, wird 70.

Von Thomas Steinfeld

Es gibt Zeiten und Umstände, in denen es einen Schriftsteller und sein Werk plötzlich hinausträgt in die große, politische Öffentlichkeit, auch wenn er das gar nicht will und auch, wenn er in seinen Büchern kaum einen Anlass dafür lieferte.

Es sind Zeiten, in denen sich die Lebensbedingungen fundamental ändern. Die gängigen Vorstellungen, an denen sich das tägliche Leben Jahr nach Jahr orientierte, stehen plötzlich infrage, die Menschen müssen umdenken, es fehlen die rechten Formeln und Vorbilder.

Günter Grass hatte solche Zeiten der Veränderung gesucht, als er den Deutschen die Romane ihrer jüngeren Vergangenheit schrieb, Orhan Pamuk geriet eher in einen Umbruch hinein und hätte sich gern der Verpflichtung auf das Politische entzogen.

Guter Islam, böser Islam

Wer sagt, Terror, Gewalt und die Unterdrückung von Frauen hätten auch mit dem Islam zu tun, gilt schnell als islamophob und fremdenfeindlich. Das schadet einer wichtigen Debatte. Essay von Markus C. Schulte von Drach mehr ... 16 aus 2016

Salman Rushdie, mehr als jeder andere Schriftsteller der vergangenen Jahrzehnte Subjekt und Objekt einer radikalen gesellschaftlichen Veränderung, die mehr als einen halben Kontinent erfasste, stolperte in ihre Mitte und kam beinahe in ihr um.

Am Ende des Buches "Joseph Anton" (2012), der Memoiren, die Salman Rushdie über die mehr als zwanzig Jahre schrieb, in denen er mit dem Todesurteil des Ayatollahs Khomeini leben musste, steht der Erzähler auf dem Trottoir vor einem Londoner Hotel.

Neigung zu großen Themen

Er ist mit einem Makler verabredet, der ihm ein Haus zeigen soll. Zugleich verabschiedet er sich von den Polizisten, die in während dieser langen Zeit bewacht und geschützt hatten. Sie fahren davon, er winkt ein Taxi heran. Nun, könnte man annehmen, verwandelt sich Salman Rushdie wieder in einen gewöhnlichen Menschen, der weiß, dass man zwar einem Taxifahrer sagen kann, wo dieser hinfahren soll, man in gleicher Weise aber nicht über Gesellschaften oder Staaten verfügen kann.

Aber weiß er es wirklich? Salman Rushdie hatte immer eine Neigung zu großen Themen: In diesem September wird, in mehreren Sprachen gleichzeitig, Salman Rushdies jüngster Roman erscheinen. Er heißt "Golden House" (das ist kein Scherz!) und erzählt die Geschichte eines Immobilienhändlers, der aus einem orientalischen Nichts kommt und in New York zu einem mächtigen Menschen wird - mithilfe von "alternative facts", geschminktem Gesicht und gefärbten Haaren.

Salman Rushdie, ein Brite indischer Herkunft, in Bombay (heute: Mumbai) geboren, war nach einem Studium der Geschichte an der Universität Cambridge Drehbuchautor für das pakistanische Fernsehen und Werbetexter in London gewesen. Als solcher hatte er so unvergessliche Slogans wie "irresistibubble" ("unwiderstehblasig") für eine mit Luft gefüllte Schokolade und "that'll do nicely" ("das passt schon") für eine Kreditkarte verfasst.