Plattenkabinett Scorpions - Unplugged in Athens

Für Klaus Meine und seine Scorpions war es bestimmt eine Riesenerfahrung. Ein Open-Air-Konzert im Lycabettus-Amphitheater, 300 Meter über Athen. Vor einem griechischen Publikum, das, glauben wir Gitarrist Matthias Jabs, "wie eine Wand" hinter der Band stand. Wie schön.

Nun ist das so eine Sache mit Konzerten aus der "MTV Unplugged"-Reihe. Wer sich von dem Musiksender einladen lässt, der ist künstlerisch meist schon ziemlich tot. Es gibt natürlich Ausnahmen: Die Fantastischen Vier zum Beispiel führten die Motorsäge in ihr Repertoire ein, die Ärzte improvisierten eine hochunterhaltsame zehnminütige Pannenpause, und die Sportfreunde Stiller nutzten ihren Auftritt, um sich vom Image als Fußballband ein wenig zu lösen, indem sie ihre Hymne "'54, '74, '90, 2010" ironisch brachen - mit einer Drehorgel als einzigem Instrument.

Drischt Floskel um Floskel: Pathos-Onkel Klaus Meine.

(Foto: dpa)

Die Scorpions dagegen spielen halt irgendein Konzert ohne E-Gitarren. Zieht man ihnen den Stecker, klingen sie so monoton wie die Fangesänge des FC Bayern. Gut, Ina Müller ("Where The River Flows") und die wunderbare Cäthe ("In Trance") dürfen mal ans Mikrofon und Morten Harket (!) singt "Wind Of Change", aber selbst eingefleischte Scorpions-Fans werden sich schwertun, dieses Album in den Himmel zu loben. Gut, es gibt fünf neue Songs. Aber wenn der als nicht gerade einfallslos geltende Marketing-Abteilung der Plattenfirma sonst nichts einfällt als zu betonen, dass Gitarrist Rudolf Schenker bei "When You Came Into My Life" mal zur Sitar greift, dann zeugt das von jener geistig-musikalischen Armut, die sich durch das ganze Album zieht.

Als wäre das nicht schon schlimm genug, drischt Pathos-Onkel Klaus Meine Floskel um Floskel: "Music is all about emotion", sagt er an einer Stelle, und wir fragen uns: Ja, gottverdammt, und wo bleiben dann die fucking Emotionen?

Wäre dieses Album ein Soundtrack, wäre es der von "Frankenstein" (1931).

Wäre dieses Album ein Möbelstück, wäre es ein gebraucht bei eBay gekauftes Bettgestell - ohne Lattenrost.

Wäre dieses Album ein Fußballspieler, wäre es Carsten Ramelow.

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