Oscar-Nominierungen Die "weißen" Oscars

Auch dieses Jahr gab es unter den Oscarnominierten vor allem eines: weiße Männer. Die Bildkombo zeigt die Nominierten für den Besten Hauptdarsteller: Michael Fassbender (oben, l-r), Eddie Redmayne und Leonardo DiCaprio, sowie Matt Damon (unten, l) und Bryan Cranston

(Foto: dpa)

Warum ist der Mangel an Frauen und Schwarzen unter den diesjährigen Oscar-Nominierungen so eklatant? Es wäre zu einfach, nur der Jury die Schuld daran zu geben.

Kommentar von David Steinitz

Der Aufschrei im Netz unter dem Hashtag #OscarsSoWhite war bereits im letzten Jahr riesig, und auch jetzt wird wieder empört diskutiert, warum bei den Oscarnominierungen für die Verleihung am 28. Februar fast nur weiße Männer berücksichtigt wurden.

Geht man die lange Nominierungsliste durch, die am Donnerstag von der amerikanischen Filmakademie veröffentlicht wurde, ist es fast schon verwunderlich, dass die Oscar-Jury nicht auch in der Kategorie "Beste weibliche Hauptdarstellerin" gleich noch ein paar weiße Männer nominiert hat. Denn so wenig Vielfalt war lange nicht mehr - selbst bei den konservativen Oscars.

Nominierungsmonotonie

Neben dem Dauerproblem, dass praktisch keine Frauen für Preise wie die beste Regie oder das beste Drehbuch nominiert werden, fällt 2016 besonders auf, dass schwarze Filmemacher übergangen wurden. Die 20 Nominierten in den Schauspielkategorien zum Beispiel sind alle weiß. Obwohl mit Filmen wie der "Rocky"-Fortsetzung "Creed", dem Hip-Hop-Biopic "Straight Outta Compton" oder dem Kriegsdrama "Beasts of No Nation" im aktuellen Jahrgang viele außergewöhnliche Schauspielleistungen von schwarzen Darstellern zu sehen waren. Und die sind ohnehin schon eine Minderheit im amerikanischen Hochglanzkino.

Die Schuld an der Nominierungsmonotonie wird jetzt wieder der Oscar-Academy gegeben. Natürlich ist es richtig, dass deren Zusammensetzung aus hauptsächlich weißen Männern jenseits der fünfzig nicht zur Diversität beiträgt. Aber: die Academy kann nur die Filme nominieren, die produziert werden, weshalb das Problem nicht nur in der jetzigen Juryentscheidung liegt, sondern die gesamte Branche betrifft. Zwar haben die mächtigen Filmgewerkschaften in Hollywood viele Förderprogramme eingeführt, damit ihre Mitglieder die tatsächliche Zusammensetzung der amerikanischen Bevölkerung zumindest ansatzweise spiegeln. Aber die bringen rein gar nichts, solange die guten Jobs vor allem von weißen Männern zwischen mittelalt und Methusalem vergeben werden.

Das alte, weiße Hollywood

Aus 305 Filmen wurden die diesjährigen Nominierten gewählt. Würden diese die US-Gesellschaft wiedergeben, müssten 150 von ihnen von Frauen inszeniert sein, 45 von schwarzen und 50 von hispanischen Filmemachern, wie die Zeitschrift Variety errechnet hat. Die Realität sieht anders aus.

Damit aber gräbt sich das alte, weiße Hollywood mittelfristig selbst eine Grube. Denn die mangelnde Vielfalt ist in erster Linie ein Problem der US-Kinoindustrie, nicht der gesamten Filmindustrie. Gerade Serien sind heute viel bunter und aufregender besetzt als die meisten Kinofilme. Weshalb über die diesjährigen Preise nicht nur unter #OscarsSoWhite diskutiert werden sollte - sondern vor allem auch unter #OscarsSoSchnarchnasig.