Oper Triumvirat der Stimmen

Joseph Calleja als Cavaradossi kurz vor dessen tragischem Tod.

(Foto: Wilfried Hösl)

"Tosca" mit Starallüren bei den Münchner Festspielen

Von Ekaterina Kel

Die Primadonna Floria Tosca schluchzt, sie zupft nervös an ihrer Hochsteckfrisur, beißt sich auf die Lippen. Großes Leid wird ihr angetan, und sie ist ihm - dem Leid, der männlichen Begierde, dem Schicksal - völlig ausgeliefert. Alles, was ihr zunächst einfällt, ist die verzweifelte Geste einer Diva, die sie nun mal ist: Sie spielt mit dem wallenden Stoff ihres Kleids, immer und immer wieder beschäftigt sich ihr Blick mit den Rockfalten.

Und dann kommt der Moment, wegen dem es sich lohnt, die "Tosca" von Giacomo Puccini zu inszenieren: Die Frau greift zur Waffe. Sie macht sich ebendiese Rockfalten zunutze, die sie überhaupt erst in die Situation einer ohnmächtigen Schönheit gebracht haben, und versteckt ein langes Messer unter ihrem Kleid. Regisseur Luc Bondy, der die Oper bereits 2010 für die Bühne der Bayerischen Staatsoper inszenierte, setzte diesen Moment, der nicht zufällig in der Mitte der Handlung liegt, in ein künstliches Licht: Für ein paar Augenblicke fällt so die sonst herkömmlich und steif wirkende Inszenierung aus ihrem pseudo-realistischen Trott.

Für die Opernfestspiele kommen die Stars für zwei Vorstellungen wieder zusammen, das Triumvirat ist komplett: Die rumänische Sopran-Ikone Angela Gheorghiu gibt die Tosca, ihr Gesangspartner ist der Malteser Joseph Calleja, der seinen vibrierenden Tenor dem republikanischen Idealisten und Maler Mario Cavaradossi leiht, und der US-Amerikaner Thomas Hampson trifft mit seinem düsteren Bariton hervorragend den bösen Wesenskern von Baron Scarpia. Ideale Voraussetzungen - allerdings dirigiert Marco Armiliato mit einer solchen Kraft durch die Oper, dass ein vierter Protagonist mit Starallüren - die Orchestermusik - sich in den Vordergrund spielt. Dadurch fällt die Komposition aus dem Gleichgewicht und kommt mit Lautstärke und Führung den Solisten an mancher Stelle in die Quere.

Auf dieser Bühne will wohl jeder einen Platz an der Sonne. Gheorghiu gibt sich der Rolle der Grande Dame mit Wonne hin. Dort, wo sie grenzenlose Freude oder zerrüttende Trauer verkörpern kann, hat sie ihre stärksten Momente. Nuancierte Erzählpassagen ohne große Rampe behandelt sie aber stiefmütterlich. Und Callejas Strophen rutschen zuweilen trotz, oder gerade wegen, großer Perfektion, ins Schulbuchartige ab und übergehen die Ambivalenz seiner Figur.