Lars von Triers neuer Film Melancholia Geil, der Weltuntergang ist da!

Porno-Drehs und Nazi-Sprüche - Regisseur Lars von Trier ist der Skandalmeister des internationalen Kinos. Doch wie lässt sich das noch toppen? Mit seinem bilderstarken Meisterwerk "Melancholia", in dem die Welt ziemlich hübsch und mit einer irritierenden sexuellen Komponente untergeht.

Von Martina Knoben

Ist es cineastischer Geheimnisverrat, wenn man erzählt, dass in diesem Film die Welt untergeht? Oder hat es sich längst herumgesprochen, dass Lars von Trier sie endgültig auslöscht in "Melancholia" - nicht beinahe vernichtet, wie in den meisten Katastrophenfilmen, sie auch nicht Architekturdenkmal für Architekturdenkmal in Schutt und Asche legt, sondern mit einem Schlag ausradiert aus dem Sonnensystem.

Nun macht der Film selbst kein großes Geheimnis daraus. Schon in der Ouvertüre, einem mehrminütigen Zusammenschnitt surrealer Endzeitszenen von überwältigender hypnotischer Qualität, ist das Ende der Welt als Zusammenprall zweier Planeten zu sehen. Lars von Trier hat die Sequenz zum Vorspiel von Wagners "Tristan und Isolde" montiert: in Zeitlupe vom Himmel fallende Vögel; eine Braut schwebt zwischen Seerosen im Wasser; ein Pferd - Traumsymbol des Lebens - das in sich zusammensinkt; ein Park mit Sonnenuhr und gestutzten Bäumen, die zwei Schatten werfen. Alles in dieser Ouvertüre, die viel Kunst- und vor allem Filmgeschichte verdreht zitiert, verheißt Unheil - und ist dabei betörend schön. Der eigentliche Weltuntergang sieht ein bisschen wie die Befruchtung in den Aufklärungsfilmen im Biologieunterricht aus: Ein gewaltiges "Ei" - der Planet Melancholia - nimmt die vergleichsweise winzige Erde in sich auf. Begleitet wird das von einem beunruhigenden niederfrequenten Wummern. Aus dem kosmischen Abstand sieht dieser Weltuntergang ziemlich gut aus und hat, wie gesagt, auch eine irritierende sexuelle Komponente: Geil, wie hier die Erde verschwindet, in einem Super-Orgasmus!

Seinen Hang zum radikalen Tabubruch hatte von Trier kürzlich in Cannes mit der ominösen "Okay, ich bin ein Nazi"-Bemerkung bewiesen. Und als nächsten Film hat der Regisseur einen Porno mit dem Titel "Nymphomaniac" angekündigt. So richtig verwundern kann das nach Skandalfilmen wie "Antichrist" (2009) oder "Idioten" (1998) nicht.

"Melancholia" ist eingängiger, was bedeutet, dass die wenig menschenfreundliche Botschaft - Weltekel und die Lust an der Vernichtung allen Lebens - wie eine Schlange ins Bewusstsein kriecht. Das Auge lässt sich nun mal leicht verführen. Und Lars von Trier bietet mit "Melancholia" denn auch ganz große Oper - wie man so sagt, wenn eine Performance sehr virtuos, sehr pathetisch und künstlich ist und den Zuschauer am Ende erschüttert und etwas ratlos zurücklässt. Immerhin war er ja auch als Regisseur für Bayreuth im Gespräch, sollte 2006 den "Ring" inszenieren, bevor er kurzfristig absagte.

Er mag die fiesen Typen

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