In Deutschland spielt sich der Wahlkampf immer mehr im Netz ab: Es wird gebloggt und getwittert, was das Zeug hält. Das Internet kann aber auch zur Stolperfalle werden - so jüngst bei der Familienministerin.
Ohne das Internet säße Barack Obama nicht im Weißen Haus, da sind sich die amerikanischen Medien einig. Online sammelte er einen großen Teil der Spenden für seinen Wahlkampf, online verbreitete er sein "Yes, we can"-Mantra unter den jungen Wählerschichten.
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Familienministerin Ursula von der Leyen in der Kritik. (© Foto: AP)
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"eCampaigning" nennt man das, was 90 Internet-Experten in Vollzeit für Obama gemacht haben und wovon die deutsche Politik noch weit entfernt ist, wie die Internetseite netzpolitik.org schon im vergangenen November, vor dem deutschen Superwahljahr, ausführlich berichtete.
Aber auch in Deutschland wird im Bundestagswahlkampf das Internet eingespannt wie nie zuvor, wenn auch in kleinerem Maßstab als in den USA.
Barack Obama stolperte in die Mayhill-Fowler-Falle
Es wird parteipolitisch gebloggt und getwittert und einen Wahlkämpfer ohne Facebook-Profil dürfte es längst nicht mehr geben.
Dass das Internet aber auch ein ordentlicher Stolperstein sein kann, hat nach Barack Obama nun auch die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen lernen müssen.
Obama stolperte in die Mayhill-Fowler-Falle, wie die amerikanischen Medien es nannten, als er bei einer Spendengala behauptete, das Selbstverständnis der amerikanischen Arbeiter hänge an "Gewehren oder Religion". Mrs. Mayhill-Fowler trug die Aussage als Leserreporterin aus der kleinen Runde in die große Welt. Ebenfalls unvorsichtige Aussagen machte jetzt Frau von der Leyen - mit ähnlichen Folgen.
Bei einem Wahlkampfauftritt vergangene Woche in Sulzbach an der Saar propagierte die Politikerin vor wenigen Bierbänken und kleinem Publikum erneut ihre Meinung zum Thema Internetsperren, um der Kinderpornographie Einhalt zu gebieten.
Das wäre keine nennenswerte Netznachricht, wenn "Zensursula", wie sie von tobenden Internetnutzern im Web genannt wird, dabei nicht so konsequent sämtliche Diskussionen, die in den vergangenen Monaten zu dem Thema geführt wurden, ignoriert hätte.
Ein Videoausschnitt des Auftritts ist jetzt bei YouTube abrufbar und zeigt eine Ministerin, die stur auf ihre Universallösung "Internetsperre" pocht, unter Missachtung sämtlicher Bedenken von Organisatoren wie Childcare, die ganz andere Lösungsansätze fordern und die Vorschläge von der Leyens eher für gefährlich erachten.
"Irreführend und polemisch"
Auf carta.info beklagt Robin Meyer-Lucht denn auch, wie "irreführend und polemisch" die Ministerin das Thema einsetzt, und wirft ihr eine "atemberaubende Doppelbödigkeit im Auftreten" vor, da sie sich auf der Berliner Bühne bereits viel differenzierter und einsichtiger zum Thema geäußert habe.
Man darf dies übrigens getrost für eine sehr zurückhaltende Kritik halten. Wegen ihrer Internetinterventionspläne steht sie schließlich seit Monaten im Kreuzfeuer der deutschen Blogosphäre. Viele nutzten das Video nun als Rechtfertigung für wüsteste Schimpftiraden.
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(SZ vom 24.08.2009/dmo)
Zum Tod von Whitney Houston
Was uns Ursula eigentlich sagen wollte hört/liest man sehr schön hier;
http://bit.ly/47rABB
Noch etwas, damit keine Missverständniss auftreten: Hier klicke ich nur grün, wenn ich überhaupt Bewertung klicke. Rot nie; bevor ich diese klicke, schreibe ich lieber meine Meinung dazu.
ich muss lachen: Indem Sie dieses Wort -"Doppeldenk" - in den Mund, oder vielmehr in ihren Gedanken legen, denken sie doppelt, oder besser zweispaltig. Man merkt es in der Argumentation: Sie sagen: "Hier wird so getan,als sei Zensur gang und gäbe." Genau das gleiche, wenn jemand erzählt, er lässt sich nicht von Werbung beeinflussen und zieht im nächsten Atemzug in einer Diskussion "Fakten, Fakten, Fakten" aus der Tasche.
Mein Erlebnis ist, jetzt hier nicht nur bei der SZ, dass Meinungen, die nicht verstanden werden, wegen "Nettiquettenbruch" nicht veröffentlicht werden. Tatsächlich wurde, nachdem ich nochmal, und zwar mit Link-/Quellenangabe gepostet habe, veröffentlicht. Wenn diese Tatsache nicht Realitätsverleugnung ist...
Niveau: Ich finde, es reguliert sich von selbst. Niveauregelung als Begründung für Zensur ist, um bei Ihrer Orwellschen Welt zu bleiben, eine neusprechliche Umschreibung, die Menschen zu verdummen, so ähnlich, wie man ARGE-Bittsteller als "Kunden" bezeichnet oder "Vorwärtsverteidigung" für Angriff usw. - In der Werbung gang und gäbe.
Meine Aussage, diese Sie kunsfertig entsinnt haben, war nichts anderes, dass jeder die Möglichkeit hat, im Gegensatz(!) zu früher die Massen zu erreichen. Mehr nicht. Es war nur eine Antwort auf die Überbewertung von Büchern und Zeitschriften. Vor dreißig, vierzig Jahren und früher - da haben Sie recht - hatten Prinzmedien ihr Alleinstellungsmerkmal in Bezug auf Meinungsäußerung, Leserbriefe wurden nicht alle veröffentlich, waren Straßendemos die einzige Möglichkeit, gegen die Hetze des Springerverlags anzugehen. Heute haben wir Blogger, und die sind in der Tat zu fürchten, ernst zunehmen. Die Industrie muss sehr wohl achtgeben, wie sie jetzt mit ihren Kunden umgeht; sehr schnell - und das ist oft passiert - werden Produkte aufgrund schlechter Bewertungen, kritische Kommentare im Internet nicht gekauft. Genau das soll bewahrt werden.
Im Prinzip geht es mir hier nur darum, die Augen nicht vor der zunehmenden Zensurgefahr zu verschließen, denn vdL ist die einzige nicht; irgendwo steckt ein System dahinter. Sie findet auf einer anderenn Ebene statt, diese hier bei der SZ oder so ist eigentlich harmlos, weil jeder auch woanders schreiben kann. Aber nicht, wenn auf Providerebene nur regulierende Wahrheiten zugelassen werden, die Kontrolle über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
(auch wenn hier ab und an zensiert wird...)
Zitat ende
Das nenne ich perfekten Doppeldenk.Lesen sie mein von dir willkürlich aus dem Kontext gerissenen Teil und dann deine Einschränkung. Vielleicht wäre das mal eine schöne Denkaufgabe.
Hier wird so getan,als sei Zensur gang und gäbe.Oder die Politik beabsichtigt Zensur als nächstes und jede kritische Stimme wird erstickt.Der Unterschied ist einfach.Jeder hat zu irgendwas eine Meinung.Das Internet bietet die Plattform,um diese von sich zu geben,aber eine Meinung sagt noch lange nichts über den Inhalt aus.Es ist schließlich oft nur eine Platt form.Wenn jemand nicht zu Bücher oder in Zeitungen schafft,heißt das noch lange nicht,eine unglaublich kritischen und aufklärerische Meinung oder Position zu haben,die anderen die Augen öffnet und der Politik das Fürchten lehrt.Ne,vielleicht müssen diejenigen einfach darauf achten,die für den Verkauf bestimmter Medien sind,dass das Stammtisch nicht Einzug erfährt und ein gewisses Niveau vorhanden bleibt.Natürlich trifft das auch auf mich zu,aber wie man an der "Bewertung" sieht,sobald tatsächlich jemand mal aufklärt,verstehen es viele erst nicht.Daher müssen erst ein paar mit einen gewissen Namen diese Gedanken aufnehmen,aber die kommen da auch von alleine drauf.Das Kommentieren und Publizieren von jedermann wird zu hoch bewertet.Zensur findet in der Realität ohne Ende statt.Da regt sich niemand auf,weil es da um soziale Kontrolle geht,die gut funktioniert und jegliche Individualität erstickt.Das finde ich persönlich um einiges dramatischer,als dieses geblöcke um angebliche Zensur.Nach dem Motto,wer nicht angepasst ist,ist gegen uns und den kann man Ausgrenzen.So spielt sich auch die "Kommentierung" ab.Ne,da kann man auch drauf verzichten.
Je mehr man selber von einem Gebiet versteht, desto eher bemerkt man das Narrentum der Minister. Mir wird schlecht.
Paging