Münchner Kunsterbe Gurlitt will Bilder zurückgeben

Von Monet bis Renoir

In dem Salzburger Haus von Cornelius Gurlitt lagerten deutlich mehr Kunstwerke als bisher angenommen. Sehen Sie hier fünf zur Begutachtung freigegebene Bilder. mehr...

Der Münchner Kunsterbe Cornelius Gurlitt will alle Bilder, die aus jüdischem Besitz geraubt wurden, den Eigentümern oder deren Nachfahren zurückgeben. Der Salzburger Teil der Sammlung von Gurlitt ist nach Recherchen von SZ, NDR und WDR weit umfangreicher als bisher bekannt.

Der Kunsterbe Cornelius Gurlitt will alle Kunstwerke, die aus "jüdischem Besitz gestohlen oder geraubt wurden, an die jeweiligen Besitzer oder deren Nachfahren herausgeben". Das erklärt Gurlitts gerichtlich bestellter Betreuer, der Münchner Anwalt Christoph Edel.

Als erstes Werk soll in den kommenden Tagen, nach Recherchen eines Teams von Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR, die Rückgabe des Porträts "Sitzende Frau" von Henri Matisse mit den Nachfahren des Pariser Kunstsammlers Paul Rosenberg vereinbart werden. Nazi-Schergen hatten das Gemälde 1941 aus einem Tresor unweit von Bordeaux gestohlen, in dem Rosenberg insgesamt 162 Werke deponiert hatte. Zeitweise hatte das Gemälde, dessen Wert mit einem niedrig zweistelligen Millionenbetrag taxiert wird, zur Kunstsammlung von Hermann Göring gehört und war dann auf Umwegen in den Besitz der Familie Gurlitt gelangt.

Das Porträt von Matisse befindet sich allerdings noch neben vielen anderen Kunstwerken im Gewahrsam der Augsburger Staatsanwaltschaft. Strafverfolger hatten 2012 in der Schwabinger Wohnung des inzwischen 81-jährigen Cornelius Gurlitt im Zusammenhang mit einem Steuerstrafverfahren insgesamt 1280 Kunstwerke beschlagnahmt. Darunter war auch das Matisse-Gemälde. Der Fall hatte weltweit Aufsehen erregt.

Nach Angaben von Edel finden derzeit Gespräche mit "sechs Anspruchstellern" des Schwabinger Fundes statt. Man sei "zuversichtlich", rasch zu Lösungen zu kommen.

In Deutschland arbeitet eine von der Bundesregierung eingesetzte Task-Force daran, die Herkunft der Bilder zu ermitteln. Die Forscher sollen herausfinden, in welchen Fällen der Verdacht der Raubkunst besteht. Noch immer kursiert eine Zahl von 590 Werken, die allerdings vermutlich deutlich zu hoch ist. Einer von Gurlitts Beratern geht von nur "vierzig bis 50 Werken" aus, bei denen möglicherweise ein begründeter Raubkunstverdacht bestehe.

Mehr Werke als bislang bekannt

Der Salzburger Teil der Sammlung von Gurlitt, der vorigen Monat bekannt wurde, ist weit umfangreicher als bisher angenommen. Es handelt sich um insgesamt 238 Kunstgegenstände, darunter sind 39 zum Teil wertvolle Ölgemälde und Aquarelle von Künstlern wie Monet, Renoir, Corot, Corbet, Pissaro, Gauguin, Toulouse-Lautrec und Liebermann. Bislang war man von rund 60 Kunstwerken ausgegangen.

Die Großzahl der Kunstwerke war in dem alten und verlassenen Haus erst bei späteren Besichtigungen in zuvor nicht zugänglichen Teilen des Gebäudes entdeckt worden. Gurlitt will die Geschichte dieser Kunstwerke, die sich mittlerweile an einem sicheren Ort in Österreich befinden, selbst ermitteln lassen.

Was aus der gesamten Sammlung, die rund 1500 Werke umfasst, werden soll, steht noch nicht fest. Ein Anwalt Gurlitts hat in einer Beschwerde die Herausgabe des beschlagnahmten Schwabinger Kunstschatzes verlangt. Das zuständige Amtsgericht Augsburg hat über die Beschwerde noch nicht entschieden.

Lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung oder auf dem iPad:

Seite Drei: Ist das die Wende im Fall Gurlitt? Der alte Mann will Gemälde aus seiner sagenhaften Sammlung an die rechtmäßigen Erben zurückgeben - aber er versteht nicht, wieso auch viele Werke beschlagnahmt wurden, die eindeutig ihm gehören.

Feuilleton: Ein erster Blick in das geheime Lager an einem unbekannten Ort