Literatur im InternetDie sind dann mal weg

Wo sind sie nur hin, all die Autoren? Im Internet floriert Literatur auf sämtlichen Kanälen - allerdings fast komplett ohne ihre Urheber. Bis auf langjährige Jungautorinnen, die ihre Schenkel zeigen, und Herren im Trenchcoat.

Wo sind sie nur hin, all die Autoren? Im Internet floriert Literatur auf sämtlichen Kanälen - allerdings fast komplett ohne ihre Urheber. Bis auf langjährige Jungautorinnen, die ihre Schenkel zeigen, und Herren im Trenchcoat.

Da bewegt sich was. Im Internet verrutschen seit ein paar Buchsaisons die Gewichte. Und zwar weg von den Autoren, die doch vor Jahren noch wenigstens zuweilen eigene Blog-Tagebücher anfingen oder ihren Lesern Gästebuch-Diskussionen offerierten. Noch früher versuchten sie sogar manchmal, online und gemeinsam Literatur zu verfassen, aber das ist nun wirklich schon sehr lange her. Oblag die Inszenierung ihrer Autorschaft bislang zuallererst den Schriftstellern selbst, so halten jetzt mit einem Mal die Verlage ungleich wirksamere Schaltknüppel in Händen. Es sind die Verlage und nicht die Autoren, die derzeit Einzelbuch-Homepages erstellen und Lesezirkel für Großromane anberaumen. Es sind die Verlage, die Lesungsvideos präsentieren und Buchtrailer produzieren lassen. Es sind die Verlage, die die Facebook-Fan-Seiten ihrer Autoren betreuen und selbst noch die eigenen Emotionen beim letzten Konferenzbesuch des Autors hinaus in die Welt twittern.

Allein bei Facebook finden sich inzwischen fast 350 Buchverlage, die Kommentar für Kommentar einen gewaltigen Wirbel rund um Veröffentlichungen und Buchautoren erzeugen. "Warum auch nicht?" fragt ganz zu Recht Jakob Meiner, der für den Münchner Antje Kunstmann Verlag unter anderem die Twitter- und Facebook-Accounts betreut. Nur wer in den sozialen Netzwerken vorhanden sei, erlange auch einen Teil der allgemein für sie verwendeten Aufmerksamkeit. Die Kunst bestehe darin, über den Freundschafts-Button persönliche Bindungen zu den Lesern bestimmter Autoren herzustellen - und dazu diese Leser immer besser kennenzulernen und mit Informationen zu versorgen.

Text: Florian Kessler/SZ vom 5.4.2011/sueddeutsche.de/rus

Alle Bilder: SZ-Screenshots

Bild: www.rabeaedel.com 4. April 2011, 18:482011-04-04 18:48:29 © SZ vom 5.4.2011/rus