Literatur Drüben üben

Bruno Jonas liest aus seinem Buch über das Jenseits

Von Karl Forster

Wenn Kabarettisten Bücher schreiben, fangen Journalisten, die mit solchen Werken befasst sind, meist mit dem Satz an: Wenn Kabarettisten Bücher schreiben ... Um dann sehr oft festzustellen, dass diese geschriebenen Werke mit der Fulminanz des Bühnenauftritts solcher Kabarettisten nicht viel gemein haben. Was oft stimmt und daran liegen könnte, dass es eben was anderes ist, eine geschliffene, oftmals erprobte Pointe ins dankbar darauf wartende Publikum zu schleudern, als mühsam gewundene Gedanken in Worte und Sätze zu fassen, um sie so als bedeutende Erkenntnisse auf Papier zu bringen.

Fast hätte sich eine Methode solcher Art auch für das neue Buch des Kabarettisten Bruno Jonas ergeben, das sich in der Piper-Reihe "Gebrauchsanweisung für ..." mit nichts Geringerem als dem Jenseits befasst. Was natürlich einige Fallstricke mit sich bringt, weil ja noch keiner jemals von dort zurückgekommen ist. Diese dem Thema immanente Unklarheit macht sich anfangs der in 49 Kapitel unterteilten Betrachtungen dadurch bemerkbar, dass Jonas, die pointensichere Rampensau, den geschriebenen Spitzfindigkeiten nicht recht zu trauen scheint und deswegen immer noch eins draufsetzt, was zunächst etwas ermüdet. Doch hat er sich offenbar zunehmend des Themas erwärmt, und so wird die Aufarbeitung dessen, was uns "drüben" erwarten könnte, immer unterhaltsamer und auch in leichter Weise lehrreich, wenn er etwa über die Jenseitsvorstellungen nordischer Völker referiert.

Dass er sich, ganz Kabarettist, eines Sidekicks namens Johannes bedient, der grundkatholisch ist, ist insofern spannend, als Jonas, nicht mehr katholisch, doch nie ganz von den Mythen dieses Glaubens losgekommen zu sein scheint. Gedanken dazu legt er eben diesem Johannes in den Mund, was zwar simpel, aber durchaus wirkungsvoll ist. Dazu kommen jedwede Erkenntnisse aus seinem Studium der Philosophie von früher mit fröhlichem Namedropping der hier üblichen Verdächtigen und Kurzfassungen derer Jenseits-Gedanken, dazu einige eher reportagehafte Erlebnisse, die das Konzept zwar etwas brechen, wie zum Beispiel die Erinnerung ans Ableben des Vaters, aber so dem Werk mehr Dichte beifügen. Einzig der Name der Reihe, also "Gebrauchsanweisung", ist, weil so streng klingend, eher uncharmant, "Anleitung" hätte besser gepasst, zumindest zu diesem Buch.

Bruno Jonas: Gebrauchsanweisung für das Jenseits, Lesung am Dienstag, 5. Juni, 20 Uhr, Literaturhaus, Salvatorplatz 1