Kunst Marina Abramović

Die Performancemeisterin hat ein Macaron entwickelt, das nach ihr selbst schmeckt. Die Schoko-Ganache in der Mitte ist lecker, der Rest ist vor allem sehr süß, arg blumig parfümiert und im Abgang etwas muffig. Und danach ist die Zunge blau.

Von Jan Kedves

Bis Sonntag läuft in London der Kunst-Parcours rund um die Frieze-Messe, und Marina Abramović hat sich dazu eine kleine Performance ausgedacht. Sie fährt mit einem runden goldenen Objekt in ihrem Gesicht herum, hält es sich vors linke Auge, vors rechte Auge, vor die Stirn, vor die Nase. Dann beißt sie rein, kaut, schluckt, sperrt den Mund auf und grinst. Hmm, lecker, Marina Abramović schmeckt anscheinend ganz gut! Das mit Blattgold veredelte preußischblaue Macaron, das die berühmte serbische Patronin der Performance-Kunst hier verspeist, soll nämlich genauso schmecken wie sie selbst. Sie hat es zusammen mit einem New Yorker Süßigkeiten-Experten entwickelt, der in einem angeblich mehrwöchigen Verfahren Abramovićs Eigengeschmack extrahierte, welcher nun von der Pariser Luxus-Patisserie Ladurée zum "Pastry Portrait", also zum zuckrigen Selbstporträt, verbacken wurde. Man soll natürlich an Hostien denken. Im Namen des Zuckers, der Performance-Kunst und der heiligen Marina - amen?

Die Spötter lassen jedenfalls nicht auf sich warten. Im Netz nennen sie Abramović schon "Macaronović" und bekritteln, dass die Künstlerin mal wieder die Nähe zum Luxus sucht. Vor einer Weile modelte sie ja bereits für das Modehaus Givenchy. Aber wollen wir nicht erst wissen, wie so ein Macaronović überhaupt schmeckt? Bei einer Präsentation im plüschigen Ladurée-Separée im Luxus-Labyrinth Harrods war Abramović nicht persönlich zugegen, aber das Video mit ihrer Macaron-Performance lief, und einige Exemplare wurden verkostet. Man muss sagen: Die Schoko-Ganache in der Mitte ist schon lecker, ansonsten schmeckt Marina Abramović zu süß, vom Parfümierungsgrad her arg blumig, im Abgang muffig. Das Blattgold schmeckt nach nichts, die Zunge ist danach blau. Nun ja.

Vielleicht ist das Ganze aber auch ein raffinierter Kommentar auf die Objektversessenheit der Kunstsammler, die sich diese Woche durch London wühlen. Denn Abramovićs Kunst, die Performance, ist ja normalerweise sehr immateriell. Und die Käufer der streng limitierten Abramović-Box (Inhalt: drei Macarons, also auch hier wieder jede Menge christliche Anspielung, Dreifaltigkeit und so weiter) werden sich jetzt fragen, ob sie die Dinger wirklich essen oder nicht lieber wertsteigernd einfrieren wollen. Im Tiefkühlfach halten sich Macarons angeblich ziemlich lange.