Kulturpolitik König der Löwen

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist ein Imperium: 17 Museen, Ischtar-Tor und Nofretete. Kritiker fordern: Sie muss reformiert werden.

Von Jörg Häntzschel

Manche nennen Hermann Parzinger einen "Ego-Shooter". Er selbst versteht sich als "Einzelkämpfer". Der Archäologe ist Europas mächtigster Kulturmanager. Berühmt wurde er durch den Fund eines Skythenschatzes in Südsibirien. Heute sitzt er meist in Meetings oder auf dem Beifahrersitz seines Dienstwagens.

Die Provinzen seines Reichs sind weit verstreut. Parzinger, 59, ist seit zehn Jahren Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), der mit 2000 Angestellten größten Kulturinstitution Europas. Sie umfasst die 17 bedeutendsten Berliner Museen, die beiden Staatsbibliotheken, das Geheime Staatsarchiv und etliches mehr. Parzinger ist Herr über die Nofretete und das babylonische Ischtar-Tor, 80 Prozent der Autografen von Beethoven, 5500 menschliche Schädel und die zwölf Millionen Fotografien der eigenen Bildagentur bpk. Und die Stiftung wächst weiter.

Neun Jahre lang rührte sich kaum Kritik. "Parzinger, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann", so sein E-Mail-Absender, überzeugte mit akademischen Ehren, bezauberte mit münchnerisch abgetönter Eloquenz und verbreitete etwas Angst, weil er nie lächelt.

Dazwischen zeigte er sich als Mensch und ließ Medien über seine "Traumhochzeit in der Hauptstadt" berichten, in der "für diesen Zweck angemieteten Villa von der Heydt", seinem Amtssitz. Niemand traute sich an die SPK heran. Sie war too big to fail, zu groß auch nur für Fragen. Das ist vorbei, seit der Streit um die Macht im Humboldt-Forum sich zugespitzt hat. Und seit die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy von der Technischen Universität Berlin im Sommer aus dem Expertenbeirat des Humboldt-Forums austrat. In einem Interview mit der SZ diagnostizierte sie bei der SPK damals "totale Sklerose". Die Stiftung sei "am Ende ihrer Kräfte" und habe "seit Jahrzehnten keine Ideen" mehr gehabt.

Plötzlich wollen Politiker alles hinterfragen: Name, Struktur, Habitus

Mächtigere folgten: "Unbeherrschbar", "nicht mehr steuerbar", sogar: "immer schon eine Missgeburt", lauten Vorwürfe aus der Politik. "Es ist alles zu hinterfragen: Name, Struktur, Habitus". Oder auch: "Das Selbstverständnis der Berliner Museen passt nicht mehr auf die Fragen, die im 21. Jahrhundert gestellt werden." Zum ersten Mal muss sich die Institution erklären.

Viele Vorwürfe zielen auch auf das "Problem P", wie einer es nennt. "Brillanter Archäologe, aber kein Museumsmann", urteilte vor seinem Tod der Museumsmann Martin Roth. "Kulturmensch, aber kein Verwaltungsmann", sagen andere. "Machthungrig", "windelweich nach oben", "wie Putin", heißt es bei Kollegen. "Jetzt bricht sich die Frustration Bahn, die sich über Jahre angestaut hat", so eine SPK-Angestellte. Viele reden inzwischen, aber während der ausgiebigen Recherche findet sich fast niemand, der namentlich zitiert werden will.

Parzinger selbst schürt ungewollt das Feuer. "Unentwegt angreifen, den anderen nicht zur Ruhe kommen lassen, das ist bei starken Gegnern wichtig", erklärte er seine Strategie beim Judo der Welt. Er hat den schwarzen Gürtel und war mehrfach Berliner Meister in seiner Altersklasse. Deshalb tweetet er beflissen und lässt kein Podium aus. Doch Parzingers heißlaufende Defensive lässt ihn nur getrieben erscheinen.

Glücklich ist seine Lage nicht. Seit beschlossen wurde, die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst aus Dahlem ins Humboldt-Forum zu verfrachten, war Parzinger das Gesicht des neuen Riesenprojektes. 15 Jahre lang bastelten die Kuratoren an der Präsentation. Dann wurde Monika Grütters Kulturstaatsministerin und machte den ehemaligen Direktor des British Museum, Neil MacGregor, zum Chef der "Gründungsintendanz". Parzinger wurde degradiert. Eine neue Erfahrung.

MacGregor missfielen die Dahlemer Pläne, er strich ein Drittel der Räume. Und Parzinger musste die Demontage nach außen auch noch feiern - während MacGregor längst wieder im Flugzeug saß. MacGregors Macht wuchs und wuchs. Grütters stellte seiner Kultur GmbH, der SPK-Rivalin im Humboldt-Forum, weitere Millionen zur Verfügung. Neue dankbare Kuratoren zerpflückten nun das Werk ihrer erfahreneren Dahlemer Kollegen. Die Museen würden abgewickelt, aufgelöst, fürchtete man in Dahlem. Wo war der Judoka Parzinger, wenn man ihn brauchte? Lieferte er zwei Museen ans Messer, um die übrigen zu behalten?

Er verlor dabei doppelt. Außer Machthunger wurde ihm nun auch mangelndes Rückgrat vorgeworfen. "Er glaubt, wenn er der Politik folgt, wird er seine Karriere fortsetzen", sagte Roth. Aber Grütters nützte seine Schwäche aus: In ihrer zweiten Amtszeit will sie "den Tanker SPK neu aufstellen". Der Satz, der nun im Koalitionsvertrag steht, spricht Bände: Man wolle "die SPK strukturell an die Anforderungen eines modernen Kulturbetriebs mit internationaler Ausstrahlung" anpassen, im Klartext: den Laden aufräumen. Was sich ändern muss, soll eine Prüfung durch den Wissenschaftsrat ergeben. "Da zittern Direktoren", sagt eine, die selbst mal evaluiert wurde.

In seiner "Hauptverwaltung" in der früheren Villa eines Bankiers und preußischen Ministers am Landwehrkanal ist Parzinger weit weg von den Baustellen, der Politik und der Welt. Kaum ist man eingetreten in diesen Palast aus Stille und weißem Marmor, kaum sitzt man neben der Kopie von Schadows "Prinzessinnengruppe", vergisst man, in welchem Jahrzehnt man sich befindet. Der Moment ist rasch vorbei, denn Parzinger ist pünktlich. Er wirkt etwas bedrückt, wie eigentlich immer, vielleicht ist es aber auch Gleichmut. Er kennt die Klagen und sei sich "mit Grütters darin einig, dass sich in der SPK was ändern muss." Was genau? Er wolle "eine Organisation, die einmalig in Europa ist, schlagkräftiger machen". Die Verwaltung müsse "effizienter und reaktionsschneller" werden. Die Floskeln verhallen in der preußischen Pracht.

Info

Die Einrichtungen der Stiftung sind über ganz Berlin verstreut: von Dahlem im Westen über das Kulturforum und die Museumsinsel (vergrößert) bis nach Köpenick und Friedrichshagen.

Entgleist ist die Stiftung lange vor Parzingers Zeit. Sie wurde 1957 gegründet, um die nach dem Krieg verstreuten Sammlungen Preußens zusammenzuhalten. Es herrschte Aufbruchstimmung, es regnete Geld. Die Museen in Dahlem entstanden, Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie, Hans Scharouns Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße. Offiziell bewahrte die Stiftung die preußischen Kulturgüter damals nur vorläufig auf, "bis zu einer Neuregelung nach der Wiedervereinigung". Doch als die Mauer fiel, wurde nichts neu geregelt, die SPK wurde dank Ost-Sammlungen und Ost-Museen nur noch größer.

Die Parallelstrukturen in der ehemaligen Zwei-Hälften-Stadt wurden nicht abgeschafft, sondern ausgebaut. Obwohl die gesamte Museumsinsel renoviert werden musste, leistete sich die Stiftung das neue Kupferstichkabinett und die Gemäldegalerie am Kulturforum. Alle paar Jahre entstand ein neues Haus: der Hamburger Bahnhof und das Museum Berggruen, das Museum für Fotografie, die Sammlung Scharf-Gerstenberg und der Berggruen-Anbau. Doch die richtig teuren Projekte lagen im Osten: die Alte Nationalgalerie (74 Millionen), das Bodemuseum (165 Millionen), das Neue Museum (205 Millionen).

Und es geht weiter: 2019 wird die James-Simon-Galerie fertig (134 Millionen), die Staatsbibliothek Unter den Linden (470 Millionen), der erste Bauabschnitt des Pergamonmuseums (477 Millionen) und das Humboldt-Forum, in dem die SPK zwei von vier Stockwerken bespielt. Am Kulturforum wird für 110 Millionen Euro die Neue Nationalgalerie instandgesetzt. Bald ist Baubeginn beim Museum der Moderne, der umstrittenen "Scheune" am Kulturforum (200 Millionen). Auf der anderen Straßenseite ist die Totalsanierung der Staatsbibliothek West geplant, dann steht die Renovierung des Alten Museums an. Parzinger denkt noch weiter. Er will Schinkels Bauakademie wieder aufbauen und dort ein Architekturmuseum einrichten (62 Millionen); in Dahlem soll ein "Forschungscampus" entstehen.

Wer braucht das alles? Die Besucherzahlen steigen ja nicht, sie sinken, von 4,7 Millionen im Jahr 2010 auf 3,5 Millionen 2017. Der Louvre mit acht Millionen Besuchern oder das New Yorker Metropolitan mit sieben Millionen spielen in einer anderen Liga, klar. Doch wie ist es möglich, dass das Centre Pompidou (3,3 Millionen) oder das Londoner Victoria & Albert Museum (3 Millionen) allein fast so viele Besucher haben wie die Berliner Häuser zusammen?

Detail des Ischtar-Tors, eines der Stadttore Babylons, im Pergamonmuseum.

(Foto: imago)

Ein leeres Haus verkümmern zu lassen, ist noch kein Statement gegen neoliberale Kulturpolitik

Die erfolgreichsten Museen der Kultur-Boomtown Berlin, Pergamon- und Neues Museum, stehen im globalen Publikumsranking nur auf den Plätzen 74 und 76. Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Museen, hält dagegen: "Die Zahlen können sich sehen lassen." Der größte Erfolg der Berliner Museen ist ein zweifelhafter: Keine Ausstellung war so populär wie die aus New York eingeflogene "Das MoMA in Berlin", zu der 2004 1,2 Millionen Besucher strömten.

Sonst geht es oft ruhig zu in den Museen. Im Kunstgewerbemuseum etwa ist man nicht selten ganz allein. Bleischwer hängt die Leere zwischen Hüten und Ballkleidern. "Toll, dass man sich das noch leistet!", findet eine SPK-Angestellte. Aber ein Museum ohne Besucher vor sich hinkümmern zu lassen, ist noch kein Statement gegen neoliberale Kulturpolitik.

Und was wird passieren, wenn, wie erwartet, ab 2019 3,5 Millionen Menschen jährlich ins Humboldt-Forum kommen? Viele werden in den anderen Museen fehlen, zumal sie dort weiter zahlen müssen, während im Forum der Eintritt frei ist.

Die Lethargie in vielen Häusern ist unter anderem dem Geldmangel geschuldet. Sonderausstellungen sind ohne Geld von Unterstützern kaum möglich. Und beim Geld bleibt es oft nicht. Der Verein der Freunde der Nationalgalerie etwa ist zum Management-Arm der sechs Häuser geworden und übernimmt alles, was die Kunstbürokratie nicht kann, will oder darf - ein abenteuerliches Arrangement.

Die acht Angestellten des Vereins organisieren die Ausstellungen, sie kümmern sich um Sponsoren, Werbung, Versicherung, Leihgaben, Kataloge, Veranstaltungen und vor allem um die Finanzierung. Das Museum stellt nur Kuratoren, Personal und Gebäude. Die Einnahmen durch Ticket- und Katalogverkäufe, bei der MoMA-Ausstellung waren es sechs Millionen, gehen an den Verein - für die nächsten Ausstellungen. Und für Ankäufe, denn auch dafür hat die Nationalgalerie keinen Cent. "Ohne den Verein wäre das ein Totenhaus", meint ein Mitglied. Und der Anwalt und frühere Vorsitzende der "Freunde" Peter Raue sagt: "Die Stiftung ist dramatisch unterfinanziert. Sie kann ihre Aufgaben nicht erfolgreich erfüllen."

Am meisten wurde in den vergangenen Monaten über die Defizite bei der Provenienzforschung debattiert. Bisher gab es dafür in der gesamten SPK nur eine einzige feste Stelle, die übrigen Mitarbeiter, um die zehn sollen es sein, haben Projektverträge. Grütters hat der Stiftung jetzt sechs neue Leute verordnet.

3,5 Millionen

Menschen besuchten im vergangenen Jahr die 17 staatlichen Museen Berlins. Das sind nur wenig mehr, als jährlich ins Pariser Centre Pompidou kommen oder ins Londoner Victoria & Albert Museum. Und es werden Jahr für Jahr weniger. Die populärsten Berliner Häuser, das Pergamon- und das Neue Museum, stehen weit abgeschlagen auf den Plätzen 74 und 76 im internationalen Museumsranking. Doch in Berlin gibt man sich unbesorgt: "Die Zahlen können sich sehen lassen."

Dreimal so viele Kuratoren wie Vermittler: Wie will man da um neue Besucher werben?

Doch es fehlt auch überall sonst. Während andere Museen und Bibliotheken ihre Bestände komplett im Netz zeigen, steht man bei der Digitalisierung in der SPK noch am Anfang. Während andere Museen rührig um neue Besuchergruppen werben - Jugendliche, Migranten, Demente - haben die Berliner Museen noch immer dreimal so viel Kuratoren wie Vermittler. "Das ist nicht mehr zeitgemäß", sagt eine Kulturpolitikerin.

Doch Parzinger und sein Imperium haben auch Verteidiger. "Er ist der richtige Mann an diesem Ort. Er würde sich nicht gegen eine kluge Reform wehren", sagt Raue. "Man projiziert alles mögliche auf die Stiftung, was die anderen Museen auch nicht erledigen", ergänzt die Leiterin einer Forschungsinstitution. Grütters sei mitverantwortlich für die Misere. Und Parzinger sei ihr zu mächtig: "Man redet den Patienten so krank, dass dann auf jeden Fall ein Notarztwagen kommt", sagt sie.

Besonders schwer haben es die Jungen, nicht nur, weil viele sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangeln. Brauchen sie für ihre Forschung Zugang zu den Archiven, müssen sie sich oft auf eine Genehmigungsodyssee begeben, die bis hinauf zum Präsidenten selbst führen kann. Neues Denken, Kritik und Debatten seien nicht erwünscht: "Die staatlichen Museen sind der größte Kulturarbeitgeber Berlins. Wer seinen Mund aufmacht, kann sich eine andere Stadt suchen", sagt eine Kuratorin.

Was ist neu am Neuen Museum? Was alt am Alten? Wofür gibt es drei Pressestellen?

Erstaunlich ist das nicht bei 340 Beamten und einer aufgeblähten Verwaltung, die, so die Klage, vor allem am Erhalt des eigenen Status Quo interessiert sei. "Man muss diese Mentalität rausblasen!", fordert eine Politikerin. Einerseits ist die Struktur streng hierarchisch. Andererseits ist sie voller Redundanzen. Warum steht zwischen den Museumsdirektoren und dem Präsidenten noch ein Generaldirektor? Warum gibt es drei Pressestellen? Und warum ist für die Baustellen das Bundesamt für Bau und Raumordnung zuständig, nicht die Stiftung selbst? Wo Autonomie nötig wäre, herrscht zentralistischer Durchgriff, wo Austausch möglich wäre, arbeiten Institutionen isoliert vor sich hin.

Je mehr Satelliten die SPK schafft, desto loser wird ihr Zusammenhalt. Je abgelegener die Sonderthemen der neueren Häuser, desto diffuser das Gesamtbild. Eissenhauer versteht die Museen gerne als Einheit, als "Louvre unter mehreren Dächern". Doch charmant ist die Idee nur in der Theorie. Die Alte Nationalgalerie ist für das 19., die Neue für das 20. und der Hamburger Bahnhof für das 21. Jahrhundert zuständig, doch dazwischen liegen Kilometer. Warum hängen die Alten Meister neben der Neuen Nationalgalerie und nicht bei der alten Kunst auf der Museumsinsel? Was ist neu am Neuen Museum, was alt am Alten? Warum ist das Bode-Museum nach einem ausgewiesenen Antisemiten benannt? Und warum zieht das Museum Europäischer Kulturen aus Dahlem nicht mit ins Humboldt-Forum? Manches mag historische Kontingenz gewesen sein, manches eine Fehlentscheidung. Alles erstarrt in Tradition und darf nie mehr in Frage gestellt werden.

Am wenigsten die Stiftung selbst. Die Preußensammlungen sind gerettet und zurück in ihren Gebäuden. Das wäre der Moment, die Stiftung sinnvoll zu zerteilen. Man könnte die Bibliotheken loslösen, die Museumsinsel abtrennen, der Nationalgalerie Autonomie geben. Modelle gibt es viele. Denn worin der Zusammenhang zwischen all diesen Teilen besteht, konnte die SPK nie erklären. Jetzt, wo sie es plötzlich muss, fallen Parzinger in seiner Villa nur Allgemeinplätze ein: "Ist es nicht ein großartiger Wert, das kulturelle Erbe spartenübergreifend erlebbar zu machen?"

Die Preußen-Herkunft jedenfalls eignet sich nicht mehr dazu, um das Konglomerat zusammenzuhalten. Mit jeder weiteren Privatsammlung, die sich die SPK schenken lässt, entfernt sie sich weiter davon. Und was hätte Preußen den Besuchern heute auch zu sagen? Dass die Stiftung mit "Preußen" und "Kulturbesitz" gleich zwei Begriffe im Namen führt, die täglich problematischer werden, ist Bürde genug. "Haben Sie einen anderen Namen?", fragt SPK-Sprecher Ingolf Kern.

Plötzlich steht vieles in Frage. So bemessen sich die Beiträge der Bundesländer nach der einstigen Ausdehnung des preußischen Staatsgebiets. Deshalb zahlt Bayern nur 175 000 Euro jährlich.

Ohnehin ist vom föderalen Anspruch nicht viel übrig. Früher trug Berlin die Hälfte der Baukosten, heute zahlt diese der Bund alleine. Früher übernahmen die Länder ein Viertel des Budgets, heute nur noch ein Zehntel. Die SPK ist dabei, eine nationale Kulturinstitution im föderalen Deutschland zu werden, eine Unterabteilung des Kulturministeriums. Genau das möchte Monika Grütters.

Nichts fürchtet Parzinger mehr als diesen Verlust seiner Unabhängigkeit. Darum kämpft er. So fällt seine Bilanz der vergangenen Jahre deutlich positiver aus, er verweist auf die Fortschritte in der Provenienzforschung, verspricht eine effektivere Vernetzung seiner Institutionen, mehr Vermittlung. Das Bild nach außen aber war zuletzt zwiespältiger. Innerhalb weniger Wochen nahm die SPK den Nachlass von Leni Riefenstahl und die Max-Beckmann-Sammlung der Witwe des NS-Kunsträubers Erhard Göpel an. Parzinger lobte in einem Zeitungsbeitrag den Vorstoß des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zur Restitution von geraubten Kulturgütern aus Afrika. Und gibt zu: "Wir haben Dinge, von denen wir wissen, dass sie unrechtmäßig erworben sind." Aber erklärte dann, ohne "Handlungsrichtlinien" der Politik seien ihm die Hände gebunden. In seinem Artikel ewähnte er auch die - nicht durchweg weißen - "Aktivisten unterschiedlicher Couleur". Das passte schlecht zur neuen Sensibilität für Afrika.

Auch die Besetzung der zweitwichtigsten Stelle im Humboldt-Forum, des Sammlungsdirektors, lief nicht gut. Parzinger feierte die Besetzung durch Inés de Castro, bevor die Verhandlungen überhaupt begonnen hatten. Dann setzte er sie mit einem Ultimatum unter Druck. Sie sagte ab. Nächste Woche soll nun Lars-Christian Koch, bisher zweiter Mann im Ethnologischen Museum, zum Sammlungsdirektor ernannt werden: eine Schlappe Parzingers?

Das Bild täuscht. Koch wird, so die Vermutung in Berlin, ein loyaler Statthalter im Humboldt-Forum sein. Parzinger hat die Kontrolle über seine Museen gerettet. Er hat die Kritik an mangelnder Provenienzrecherche ins Ungefähre abgeleitet. Und was die Preußenstiftung angeht: Da wird nun in Ruhe evaluiert. So kann alles beim Alten bleiben.