Kulturpolitik Falsche Chemie

Fast sechs Wochen sind vergangen, seit das Konzerttheater Bern überraschend verkündete, es werde seine Schauspieldirektorin Stephanie Gräve unverzüglich freistellen. Es folgte heftiger Streit.

Von Charlotte Theile

Fast sechs Wochen sind vergangen, seit das Konzerttheater Bern überraschend verkündete, es werde seine Schauspieldirektorin Stephanie Gräve unverzüglich freistellen. Am Dienstag nun wandte sich Benedikt Weibel, Präsident des Stiftungsrates, an die Presse. Man habe die Dynamik unterschätzt, sagt Weibel, die Wellen, die die Personalentscheidung in Bern und in der ganzen Schweiz ausgelöst habe. Eine dünne Mitteilung hatte es damals gegeben: Gräve sei auf Wunsch des Intendanten Stephan Märki freigestellt worden, über die Hintergründe sei Stillschweigen vereinbart worden. Bald kamen Gerüchte auf. Was muss geschehen, um eine so schnelle Absetzung zu rechtfertigen? Hatte Märki auf eine Auseinandersetzung hin die Freistellung einer unliebsamen Kollegin verfügt? Gräve, die ihre Stelle 2015 angetreten hatte, darf sich nicht äußern - sie ist freigestellt, nicht gekündigt. Medial erhielt sie viel Unterstützung. Lokalpolitiker und Online-Aktivisten forderten Transparenz über die Hintergründe der Entscheidung.

Stiftungspräsident Weibel schien darüber am Dienstag verärgert. "Fremdbestimmung statt Deutungshoheit in eigener Sache" habe das Theater erleben müssen. Es sei normal, dass sich ein Intendant einmal in einer Personalfrage irre, das Ensemble bleibe in Bern, die Zahlen seien gut. Letztlich habe es einfach menschlich nicht gestimmt zwischen Märki und Gräve, deren "Qualifikationen außer Frage" stünden. Bis eine neue Schauspieldirektion gefunden ist, leitet Intendant Märki nun selbst diese Sparte.