Konzert Glückstränenschön

Gisbert zu Knyphausen in der Muffathalle

Von Bernhard Blöchl

Er kuschelt mit Yin, er knutscht mit Yang. Gisbert zu Knyphausen hat es kapiert. Die Polarität des Lebens, der Mann weiß, wovon er singt. Im Sommer 2012, da hatte er ausgiebig sein Album "Hurra! Hurra! So nicht." auf Tour vorgestellt, befand sich der Songwriter in einer Art Glücksrausch. Er hatte Erfolg, wurde umschwärmt, und mit seinem Weggefährten Nils Koppruch (Fink) gründete er die Band Kid Kopphausen, der es ebenfalls vergönnt war zu rumpeln und funkeln. Aber nur kurz. Wenige Monate später starb Koppruch, plötzlich und unerwartet. Der Schmerz warf Knyphausen aus der Bahn. Er trauerte, reiste, musizierte mit Freunden. Zeit, sich zu sortieren.

Gut fünf Jahre nach der Katastrophe kehrt der Wahl-Berliner aus dem hessischen Rheingau mit neuem Album dorthin zurück, wo er sich auch 2012 hatte bejubeln lassen: in die Muffathalle. Hier zeigt sich der 38-Jährige reifer denn je, mit vorzüglicher neuer Band um Jean-Michel Tourette, der die CD produziert hat. Markant im Soundgewand ist auch der Trompeter Martin Wenk von Calexico. Gisbert zu Knyphausens große Stärke, durch Gegensätze inspirierte Gefühlsextreme in wohlklingende Songminiaturen zu packen, kann er nun noch mehr ausspielen. Auf "Das Licht dieser Welt", wie das dritte Album heißt, singt er von Tod und Sterben, Werden und Vergehen; er erzählt aber auch von jungen Lieben, schmettert Hymnen auf das Leben, auf die Freiheit und die Hoffnungsschimmer. Mit Zeilen, die man bei deutschsprachigen Songwritern lange suchen muss ("Kaum ist die Nabelschnur ab, schon steh'n wir alle auf dem Schlauch").

Die Polarität offenbart sich auch auf der Bühne: Mal begleitet er sich nur mit der Akustikgitarre, mal nur am Stage-Piano, mal bedient er die E-Gitarre, während die Band mit zwei Bläsern Druck macht. Alte Lieder, neue Lieder. Laut, leise. Alles fließt. Tränen und Schweiß. Dazu Bierküsse im elektrisierten Publikum. Mehr geht kaum.