Nicht ohne mein Smartphone: Wenn Flugmax und Flugtussi zusammen reisen, lernt man die Vorzüge einer Horde betrunkener Engländer schätzen.
Das Flugzeug ist gerade gelandet, und weil es auf einer sogenannten Außenposition steht, werden die Passagiere mit dem Bus zum Flughafengebäude gefahren.
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Fast so unangenehm wie betrunkene Engländer auf dem Weg nach Lanzarote: Flugmaxen und -tussis, die noch während der Landung ihre Smartphones einschalten. (© Foto: ddp)
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Flugmaxen und -tussis bearbeiten sofort heftig ihre Smartphones, die sie noch während der Landung eingeschaltet haben. Offline zu sein bedeutet für diese Menschen dasselbe, wie Herpes zu haben. Hinten im Bus sitzen vier Mädchen, vielleicht 14 oder 15 Jahre alt. Der Bus fährt unvermittelt an. Einer der Flugmaxen, Mitte dreißig, in der linken Hand einen Rimowa-Koffer, rechts ein iPhone, fällt auf die Mädchen. Die kreischen, und auch als der Mann sich schon wieder aufgerappelt hat, kichern sie heftig weiter. Der halbe Bus hat die Szene verfolgt, und sicher würde der gestrauchelte Flugmax am liebsten durch das Fahrzeug nach draußen diffundieren. Alles könnte kaum peinlicher sein für den Mann mit dem Smartphone.
Weil der Mensch schlecht ist, erfreut er sich an solchen Szenen. Besondere Freude entsteht natürlich, wenn es die besonders selbstsicheren Blender trifft, deren Konzentration in Flugzeugen und auf Flughäfen auffallend groß ist.
Hämeträchtig sind auch die Bitte-nicht-drücken-Drehtüren, wie es sie zum Beispiel in München bei der Gepäckabholung gibt. Sie befinden sich in steter, langsamer Bewegung. Wer versucht, diese Bewegung durch Stoßen zu beschleunigen, bleibt in der Tür stecken. Dasselbe passiert, wenn zu viele Maxen und Tussis auf einmal in den Drehbereich treten, weil sie schneller vorankommen wollen. Wenn sie steckenbleiben, rufen sie sogleich: "Was is'n das für'n Scheiß, hier?" Sagt man ihnen, sie sollten die Tür besser nicht anfassen, da es doch so und nicht anders auf dem Schild in der Tür stehe, fragen sie zurück: "Experte, was?"
Wenn nun deutsche Flugmaxen und -tussis in einer Gruppe reisen, sind sie fast so unangenehm wie betrunkene Engländer auf dem Weg nach Lanzarote. Besonders blöd ist es, wenn man als Mitflieger in eine Reihe gerät, in der drei oder vier Sitze an Tussenmaxen aus derselben Firma vergeben wurden. In oft beträchtlicher Lautstärke und meist mit zu grellem Lachen unterhalten sich die Tussenmaxen über die bevorstehende Präsentation, den Chef sowie, am schlimmsten: ihr Wochenende.
Manchmal wollen auch die Maxen die Tussen beeindrucken. Wenn aus dem normalen Flugmax nun ein Balzmax wird, so ist das sehr krass. Kann man so eine Situation nicht akustisch ausblenden, weil man seinen MP3-Spieler mit den größten Hits von Guns N' Roses vergessen hat, dann ist der Flug von oder nach Berlin-Tegel deutlich schlimmer als Waterboarding.
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(SZ vom 13.06.2009/bey)
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Nun isses raus, Herr Kister ! Waterboarding ist schließlich dazu da, dass man mit der Wahrheit rausrückt. Seien Sie doch jetzt froh - ohne das wären Sie's schwerlich losgeworden ! (Aber dann zu Guns N' R. greifen - ich weiß nicht recht - ist doch auch ziemlich folterig.)
"Was darf die Satire? Alles" (Ignaz Wrobel alias Kurt Tucholsky). Liebe Übelnehmer weiter unten, haben Sie Kisters letzten Satz mal mit den Augen eines verständigen Ironikers gelesen? Nein?? (Ihre Reaktionen deuten tatsächlich darauf hin). Nun gut - dann holen wir das jetzt mit H. Weinrich und dem Historischen Wörterbuch der Philosophie (IV, Sp. 579) nach: "Bei der Ironie ist das Gegenteil von dem gemeint, was mit den Worten gesagt wird". Demnach war Kisters Flug von/nach Tegel - allen beschriebenen Widernissen zum Trotz - natürlich NICHT "deutlich schlimmer als Waterboarding". Selbiges gilt natürlich auch für meine satirischen Ausreden zum AeroBoarding. Also, bitten, bleiben Sie seriös, lassen Sie Herrn Kister das Sardonische - und denken Sie daran: "Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an" (nochmals Tucholsky).
Ich habe mich gerade gefragt, ob diese Glosse wohl aus einer Frauenzeitschrift kopiert wurde? Wer unter derartigen Erfahrungen leidet, dem hilft vielleicht die alte Weisheit: "Kämpfe nicht gegen die Realität, Du kannst dabei nur verlieren". Allerdings wäre dem Autor damit auch die Grundlage für solche und ähnliche Geschichten entzogen, und deshalb wird sich wohl nicht viel ändern.
Herr Kister, so sehr wie man sich über andere aufregt, so intolerant und von der eigenen Position eingenommen ist man. Regen Sie sich nicht zu sehr auf, das ist schlecht fürs Herz!
Ich kann mich nur anschließen! Sehr unterhaltender Beitrag, aber die Schlussbemerkung ist wirklich übel.
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