Bei "Hart aber fair" wollte Frank Plasberg mit drastischen Worten über das Wall-Street-Debakel diskutieren. Ging aber nicht: Weil er zuerst das Finanzsystem erklären musste.
Es war weit nach 23 Uhr, als die Folgen der Finanzkrise drastisch aufgezeigt wurden. 30 Prozent der Deutschen könnten sich vorstellen, ihr ganzes Geld abzuheben und unter dem Kopfkissen zu lagern, trug Caren Miosga in den ARD-"Tagesthemen" vor.
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Musste in seiner Sendung erst einmal das Finanzsystem erklären: Moderator Frank Plasberg. (© Foto: dpa)
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Ein Satz, etwa vier Sekunden lang. Ein Satz, der sehr viel darüber aussagt, was Deutschland vom Bankensystem hält - und wie groß das Vertrauen in die Finanzmärkte noch ist.
Frank Plasbergs Gäste hatten zuvor in der Sendung "Hart aber fair" alles dafür getan, dass aus den 30 Prozent bald schon 50 Prozent werden könnten. 75 Minuten Generalabrechnung hatte sich der schlagfertige Moderator vorgenommen.
Abrechnung mit gierigen Spekulanten, schlecht ausgebildeten Bankberatern und blinden Politikern. Viele drastische Worte hat er dafür gewählt: "Wie auf Koks" hätten sich die Banker in die Deals gestürzt - folgerichtig auch der Titel der Sendung: "Absturz aus Gier - Verzocken Banker unseren Wohlstand?".
Es gab ja auch viel aufzuarbeiten. Seit mehr als einem Jahr schwelt die Krise an den internationalen Finanzmärkten. Hunderte Milliarden Euro haben sich seitdem buchstäblich in Luft aufgelöst. Millionen Hausbauer in den USA stehen vor den Scherben ihrer Existenz, traditionsreiche Investmentbanken sind von einem Tag auf den anderen von der Bildfläche verschwunden, auch deutsche Institute gerieten ins Taumeln. Und mittendrin in diesem Wirrwar steht der Normaldeutsche, hört von Assets, Hebelprodukten, Zertifikaten und Anleihen - und versteht nur Bahnhof.
Leichtgläubige Anleger
Die komplizierten Vorgänge an den Finanzmärkten für den Zuschauer anschaulich zu beschreiben, ist nicht einfach. Frank Plasberg tat sein Bestes. Kam die Sprache auf die Bafin, wurde die Finanzaufsicht erklärt. War von einem Portfolio die Rede, fragte der Moderator nach. Und dann wurde per Knopfdruck noch ein Film gestartet, der ganz einfach erklärte, wie die Turbulenzen ihren Anfang nahmen. Besser hätte es die "Sendung mit der Maus" auch nicht gekonnt.
Wer jedoch an der Oberfläche kratzt, der kann nicht gleichzeitig in die Tiefe gehen. Und eine gewisse Tiefe ist in einer Diskussionssendung nun mal notwendig - von den krawalligen Nachmittagstalkshows der Privatsender einmal abgesehen. Weil bei Plasberg die Tiefe jedoch fehlte, blieben die Gäste Stichwortgeber und Finanzdozenten. Unfreiwillig. Dabei wollten sie eigentlich doch streiten.
Hilmar Kopper, acht Jahre lang Chef der Deutschen Bank, stellte eine umstrittene These in den Raum: Die Anleger selbst waren zu leichtgläubig und die Gier war größer als ihr Verstand. "Die Banken haben den Wohlstand nicht verzockt", sagte der ehemalige Banker. "Das waren Millionen von Amerikanern, die immer neue Hypotheken aufgenommen haben."
Die derzeitige Krise, da ist sich Kopper sicher, ist zwar in ihrem Ausmaß erschreckend, letztlich aber nicht ungewöhnlich. So ist das System: Banken kommen, Banken gehen. Die Schwachen bleiben eben auf der Strecke. "Im Kapitalismus müssen die ausgeschieden werden", sagte Kopper.
Der ehemalige Finanzminister Hans Eichel (SPD) hielt dagegen. Geht es den Banken schlecht, leide auch der Staat darunter. Entweder, wie im Fall der Mittelstandsbank IKB, muss er mit Steuergeldern einspringen. Oder er springt nicht ein, lässt die Geldhäuser leiden und merkt das später bei den Steuereinnahmen. "Wir sind eine Haftungsgemeinschaft", sagte Eichel.
Daher möchte der Publizist Rudolf Hickel, dass der Staat eingreift. Dass mehr kontrolliert wird, dass dem wilden Treiben Einhalt geboten wird. "Strengste Regulierung", forderte der Wissenschaftler, und seine Stimme überschlug sich fast dabei. Der Unternehmensberater Ulrich Stockheim erwiderte trocken: "Wenn der deutsche Finanzminister in den USA auf den Tisch haut, ist noch nicht mal der Tisch beeindruckt."
Frank Plasberg wollte jedoch nicht über Regulierung reden und auch nicht über Haftungsgemeinschaften. Der Moderator suchte sich die Aufreger der Krise heraus und präsentierte sie genüsslich: Wie der deutsche Staat mit Steuergeldern die kollabierende Mittelstandsbank IKB rettete. Dass deren ehemaliger Vorstandschef Stefan Ortseifen trotzdem monatlich eine Rente von 34.000 Euro bekommen wird. Dazu, mit Playmobil-Figuren dargestellt, die vielen deutschen Häuslebauer, deren Kredite von den Sparkassen weitergereicht wurden - bis der Käufer der Kredite, ein Finanzinvestor, die Immobilien zwangsversteigern ließ.
Dafür hatte sich Plasberg noch die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl eingeladen, die von dem Ausmaß der Finanzkrise auch schockiert ist und sich als Anwältin der kleinen Anleger gerierte: Sie sprach von Krediten für Kleinunternehmer, die jetzt teurer werden und ergriff Partei für all jene, denen der Bankberater komplizierte Anlageprodukte verkaufte, die nun - nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers - wertlos sind.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche guten Ratschläge es für die Zuschauer noch gab.
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Wer auf die Zwischentöne und Stimmungen geeicht ist, wird bemerken, dass die Krise immer wieder möglichst schnell aus dem Fokus genommen werden soll. Warum?
Ich sage: Banken aufs Tablett für lange Zeit, dann wird zunehmend auch das"Kapital" betroffen sein. Und dann wird einiges transparent werden, was weiter unter dem Teppich gehalten wird.
Ob dann allerdings die Welt besser wird? Ausprobieren!
Ich fand sämtliche Beiträge der Sendungs-Gäste hochinteressant, ganz gleich, ob ich ihrer Meinung war oder nicht, mich interessierten sehr die unterschiedlichen Meinungen und Standpunkte, von denen aus man die Situation beleuchten kann.
ABER LEIDER: war da dieser Herr Plasberg, der jede interessant zu werden drohende Äußerung unterbrach und seine kleinen Einspielfilmchen für interessanter hielt.
Leider wurden Themen meist nur kurz angeschnitten und es gab keine Chance, sie wirklich zu diskutieren oder zu beleuchten.
Mein Eindruck ist, daß Herr Plasberg sich selbst am liebsten im Mittelpunkt wähnt oder seine vermeintliche "harte, aber faire" Moderationsart.
Das war mein Senf zur Sendung ;-)
Mal ganz unaufgeregt und ohne Häme: Wenn Bankmanager für ihre Entscheidungen mit ihrem gesamten Privatvermögen haften, werden unverantwortliche Entscheidungen nicht mehr getroffen.
"It is well enough that people of the nation do not understand our banking and monetary system, for if they did, I believe there would be a revolution before tomorrow morning." (Henry Ford)
Hickel weiß es, Eichel weiß es, Kopper sowieso, den Bürgern beginnt es zu dämmern und Plasberg soll verhindern, dass es zur Sprache kommt: Die vernünftigste Lösung wäre die Banken zu sozialisieren, allerdings umgehend, nicht erst nachdem sie pleite sind.
Treue pflichtige Beamte, bezahlt gemäß dem Bundesbesoldungsrecht, bei Verfehlungen mit Disziplinarverfahren und Verlust des Pensionsanspruch bedroht, würden den Laden schmeißen und die Ackermänner dürfen auch weiterhin Roulette spielen, an den Tischen staatlicher Spielbanken.
Zum Zweck der Verunsicherung noch ein Äpfel-Birnen-Vergleich: Die Staatsverschuldung der DDR zum Ende 1990 belief sich nach Angaben der Deutschen Bank auf 86,3 Mrd. DM (entspr. 44,1 Mrd. EURO), allein der Schuldenberg von Lehman Broth. beträgt fast das 10-fache, nämlich 613 Mrd. Dollar (entspr. 426 Mrd. EURO).
Anja Kohl hat Germanistik studiert und darf Börsenexpertin im Fernsehen spielen - warum wohl?:
unfassbar!
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