Kino Filmemacher Vittorio Taviani ist tot

Vittorio Taviani im Jahr 2012 bei der Vorstellung seines Films "Cäsar muss sterben" auf der Berlinale.

(Foto: dpa)

Der Regisseur von "Mein Vater, mein Herr" und "Cäsar muss sterben", der stets mit seinem jüngeren Bruder Paolo zusammenarbeitete, starb im Alter von 88 Jahren.

Der italienische Regisseur Vittorio Taviani ist tot. Nach langer Krankheit starb er im Alter von 88 Jahren in Rom, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Tavianis Tochter Giovanna.

Taviani arbeitete als Filmemacher stets mit seinem jüngeren Bruder Paolo zusammen. "Wir haben unterschiedliche Charaktere, aber die gleiche Natur. Unsere Entscheidungen im Leben und in der Kunst sind die gleichen", sagte Vittorio Taviani einmal über die Kooperation mit seinem Bruder. Ihren ersten gemeinsamen Spielfilm drehten die beiden 1967: "I sovversivi" (Die Subversiven) setzte sich mit der Situation der italienischen Linken auseinander. Die Regisseure, die noch 1977 als überzeugte Marxisten und Mitglieder der Kommunistischen Partei Italiens galten, reflektierten darin auch ihre eigene Position als Filmautoren in einer bürgerlich-kapitalistischen Umwelt.

Ihren internationalen Durchbruch hatten die Brüder mit "Padre Padrone" ("Mein Vater, mein Herr") nach der Autobiographie des Schriftstellers Gavino Ledda, der in beklemmenden Bildern die mühselige Emanzipation des ehemaligen sardischen Schäfers erzählt. Der Film bekam in Cannes eine Goldene Palme. Glänzende Kritiken erhielten die beiden auch für "Die Wiese" (1979), in dem die junge Isabella Rossellini die Hauptrolle spielte, für "Die Nacht von San Lorenzo" (1982) oder den Episodenfilm "Kaos" (1984).

Der jüngste große Erfolg liegt mit "Cäsar muss sterben" noch nicht lange zurück: Im Jahr 2012 bekamen die Brüder für den Film auf der Berlinale den Goldenen Bären. In dem Doku-Drama beobachteten die Brüder mehrere Monate lang Insassen eines Hochsicherheitsgefängnisses, die für das Shakespeare-Stück "Julius Cäsar" probten.

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