Kino: Der entsorgte Vater Auf halbem Weg

Es gibt überhaupt vieles, das Wolfsperger ausspart, ja der Film scheint um eine große Leerstelle herum aufgebaut. Es ist die Frage, warum die Mütter dieser Kinder ihre ehemaligen Lebenspartner offenbar so sehr hassen, dass sie den Streit vor Gericht, vor allem die seelische Verstümmelung ihrer Kinder in Kauf nehmen, nur um jede Beziehung zum Vater zu verhindern. Wolfsperger stellt die Frage nicht; und die Männer selbst äußern so gut wie keine Selbstkritik. Der Dialog der Geschlechter, der hier vielleicht hätte hergestellt werden können, wird gar nicht erst versucht.

Eine einzige Frau darf erzählen, warum sie keinen Wert darauf legt, dass ihre Tochter ihren Vater trifft. Sie soll ein Zerrbild sein, schiebt am Ende des Films ein neugeborenes Baby im Kinderwagen. Dessen Vater ist, wie man da erst erfährt, schwer krank und lebt in einer anderen Stadt. Weniger Vater geht nur mittels Samenspende - eine böse Pointe. Wie eine Kriegsgewinnlerin oder Psychopathin aber wirkt diese Frau nicht. Es ist vielmehr die alte Rollenverteilung, die in ihren Aussagen anklingt, wenn sie vom Vater erzählt, der immer nur "der Größte" sein wollte, der alles erlaubt hat, während die Mutter auf klaren Regeln bestehen musste.

Vielleicht muss man die verzweifelte Lage der "entsorgten Väter" auch einmal als Zeichen des Fortschritts sehen. Wenn sie vor der Kamera weinen oder auf Spielplätzen traurig ins Leere blicken, sind sie zweifellos Opfer. Aber auch Wolfsperger wünschte sich wohl kaum eine Gesellschaftsordnung wie vor fünfzig Jahren zurück. Dass alles so zerstörerisch geworden ist, liegt wohl eher daran, dass die Gleichstellung der Geschlechter irgendwo auf halbem Wege stehengeblieben ist. Immer noch "investieren" Mütter meist sehr viel mehr in ein Kind als Väter, verzichten oft auf ihren Job, fast immer auf eine Karriere - der Unterschied zu früher aber ist, dass Frauen gelernt haben, diese "Investition" im Streitfall auch so zu sehen. Die im Film zurecht angeprangerte Ungleichbehandlung beim Sorge- und Umgangsrecht spiegelt diese Tatsache, aber befördert sie natürlich auch. "Der entsorgte Vater" ist nicht der Film, der Wege aufzeigen könnte, die aus diesem heillosen Krieg herausführen. Seine vielen Leerstellen sind ein Manko - aber auch eine starke Aufforderung: sie selbst zu füllen.

DER ENTSORGTE VATER, D 2008 - Regie, Buch: Douglas Wolfsperger. Kamera: Tanja Trentmann, Inigo Westmeier. Verleih: GMFilms, 86 Minuten.

Außerdem laufen an: "Che - Revolución" , von Steven Soderbergh "Dragonball Evolution", von James Wong "Obsessed", von Steve Shill