"Jurassic World 2" im Kino Wie, zum Teufel, bringe ich wieder Menschen auf die verdammte Insel?

Mensch vs. Dino, der Tragödie fünfter Teil.

(Foto: Universal)

Diese grundlegende Frage beantworten die Drehbuchautoren von "Jurassic World 2" mit einem Vulkanausbruch. Ist das nur einfallslos? Oder ein Greatest-Hits-Album des Dinosaurierfilms?

Von Tobias Kniebe

Ein Drehbuchschreiber, der an der "Jurassic Park"-Serie arbeitet, wacht jeden Morgen mit derselben ungelösten Frage auf: Wie, zum Teufel, bringe ich wieder Menschen auf die verdammte Insel? Isla Nublar heißt das Atoll, der Legende nach liegt es 120 Kilometer vor Costa Rica, und seit etwa dreißig Jahren - genauer gesagt seit Michael Crichtons Thriller-Roman "Jurassic Park" - leben dort von Menschen erschaffene Dinos, geklont aus urzeitlicher DNA.

Regel Nummer eins der "Jurassic"-Welt besagt, dass Menschen, die auf diese Insel fahren, grausam sterben. Regel Nummer zwei diktiert, dass nur absolute Hauptfiguren davon ausgenommen sind. Und Regel Nummer drei legt fest, dass auch die Hauptfiguren am Ende ihr Heil in der Flucht suchen müssen, woraufhin die Saurier auf Isla Nublar sich selbst überlassen bleiben, um nach Herzenslust durchs Unterholz zu donnern, zu äsen, zu brüten, zu brüllen und zu kämpfen.

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Dabei müsste man es eigentlich, sofern der Mensch überhaupt ein lernfähiges Wesen ist, bewenden lassen. Alles andere wäre Irrsinn. Damit aber würden die Einnahmen aus der Filmreihe versiegen, was ebenfalls Irrsinn wäre. Also ringen die Drehbuchschreiber mit ihrem Grundproblem, tagein, tagaus. Und irgendwann ruft irgendwer: Vulkanausbruch! Und alles geht von vorne los.

Ein drohender Vulkanausbruch auf Isla Nublar birgt nun in der Tat das interessante Dilemma, ob man ausgestorbene Tierarten, die man selbst geklont hat, zum zweiten Mal aussterben lassen darf. Mit dieser Frage beginnt "Jurassic World: Das gefallene Königreich", der fünfte Teil der Serie, inszeniert vom spanischen Regisseur Juan Antonio Bayona.

Die Sache wird sogar vor dem US-Senat verhandelt, und es gibt kurz gesagt zwei Schulen. Die Isolationisten sagen, das Schicksal der Saurier sei nicht ihr Problem. Die Aktivisten fordern eine Intervention, sprich Umsiedlung. Zu ihnen gehören die Experten Claire und Owen (Bryce Dallas Howard und Chris Pratt), denen die letzte Katastrophe auf Isla Nublar noch in den Knochen steckt, weshalb sie es eigentlich besser wissen müssten. Als dann aber ein privater Investor auftaucht, der den Sauriern ein störungsfreies Reservat auf einer neuen, vulkanlosen Insel verspricht, sitzen sie in der Falle: Sie müssen wieder hin.

In der Folge staunt man über die Gnadenlosigkeit, mit der alle Standardsituationen wieder durchgespielt werden: Was so schiefgehen kann, wie die Gier der Investoren ins Unheil führt, wie Menschen von Sauriern gejagt, geköpft, zermalmt werden. Selbst der Klassiker des Dummenglücks - Mensch hat in aussichtsloser Lage schon aufgegeben, da kommt wie aus dem Nichts ein zweiter Saurier und attackiert den ersten - kommt mehrfach. Ist das nur einfallslos? Wer für diese verschrumpelten Echsen Eintritt bezahlt, möchte vielleicht einfach die Greatest Hits. Für andere verschrumpelte Echsen, etwa die Rolling Stones, gilt das schließlich auch.

Neu ist hier vielleicht ein Grundgefühl speziesübergreifender Solidarität. Einmal fliehen Mensch und Echse gemeinsam vor Asche und Lava, vereint zu einer einzigen Panikherde. Und dann, der Raubtier-Kapitalismus hat wieder zugeschlagen, sitzen sie zusammen in Käfigen: die menschlichen Helden, Zelle an Zelle mit Triceratops und Euoplocephalus.

Jurassic World: Fallen Kingdom, USA 2018 - Regie: J. A. Bayona. Buch: Colin Trevorrow, D. Connolly. Mit B. Dallas Howard, Chris Pratt. Universal, 128 Minuten.

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