YouPorn, Pussykätzchen, Cumshots: Johannes Gernert sucht in seinem Buch die "Generation Porno" - und hat Mühe, sie zu finden.
Es ist irritierend, ein Buch über die "Generation Porno", über "Jugend, Sex, Internet" zu lesen, während die Medien voll sind von Berichten über missbrauchte Jugendliche, die Opfer pädophiler Lehrer oder Priester geworden sind.
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Der Zugang zu harter Pornographie ist leichter geworden - die Frage ist, wie viel Schaden das in der Wirklichkeit anrichtet. (© Screenshot: YouPorn)
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Kinder und Jugendliche als Zyniker, als Laiendarsteller in einer Inszenierung expliziter Körperlichkeit, als, um im Slang und im Bild zu bleiben, abgefuckte Nutzer einer kommerzialisierten, völlig emotionsfreien Sex-Industrie - das passt nicht zu dem Gefühl, das die aktuelle Debatte bestimmt: Trauer, Mitleid, Scham, Solidarität. Und auch Angst, dass den eigenen Kindern so etwas passieren könnte, dass sie ausgeliefert sein könnten und sich nicht anvertrauen.
Nun also das Gegenprogramm, verfasst von Johannes Gernert, einem freien Journalisten aus Berlin. Er beginnt stark und intoniert heftig, indem er gleich zu Beginn in Erinnerung ruft, was im Jahr 2008 Schlagzeilen machte: kindliche Sex-Maniacs, elfjährige Dauer-Porno-Gucker, jugendliche Cliquen beim Gangbang (Gruppensex, bisweilen auch Gruppenvergewaltigungen), all das aufgeschrieben von Bernd Siggelkow, dem Gründer der "Arche", einer renommierten Hilfseinrichtung für bedürftige Kinder in Berlin.
Siggelkow hatte eine Umfrage unter Kindern aus sozial schwachen Berliner Familien gemacht und diese unter dem Titel "Die sexuelle Tragödie" publiziert. Ganz Deutschland sprach daraufhin wochenlang über Fünfjährige, die Pornos gucken, über 13-jährige Mädchen, die schon Sex mit dreißig Männern hatten, über Gruppensex, bei dem die Eltern zuschauen. Das seien keine Ausnahmen, hieß es damals, sondern das sei "die Regel in deutschen Familien, die ihre Kinder vernachlässigen". So weit, so starker Tobak.
Der Leser will nun erfahren, ob all das tatsächlich Jugendalltag ist. Ein Alltag, der, wenn es ihn denn gibt, an durchschnittlich aufgeklärten Mittelklasse-Eltern offenbar unbemerkt vorbeigeht, die unter dem Eindruck leben, dass die Entwicklung der Sexualität ihrer Kinder den gleichen Regeln folge wie die eigene: neugierig sein, ausprobieren, erschrecken, Grenzen ausloten, Spaß haben.
Übertreibt Pastor Siggelkow - und übertreibt der Autor dieses neuen Buches - maßlos, fragt man sich also, existiert die "Generation Porno" tatsächlich? Oder ist alles Geschrei über eine illusionslose, promiske Jugend nur das Produkt einer von Voyeurismus geprägten Effekthascherei?
Lesen Sie weiter auf Seite 2, wo, wenn überhaupt, die Generation Porno zu finden ist.
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..kausale fortsetzung der "Sexuellen Revolution" - die technischen Errungenschaften ermöglichen den freien Zugang!
Youporn etc. hätte es auch ohne die 68er gegeben.
"warum sie damit gleich frei Haus die richtige Internetadresse mitliefert. Damit man schneller findet, was man so empörend findet? Auch Minderjährige und bisher Porn-Unbedarfte finden so leichter den Weg zum Thema ;-) "
Wenn Minderjährige wirklich etwas suchen und bis jetzt unter einem Stein gelebt haben, dauert das mit Google ein paar Sekunden. Genau so gut könnte man der SZ vorwerfen, dass wenn Sie von Gewalt berichtet, Menschen die davon nichts wussten auf blöde Ideen gebracht werden...
gruppensexelnder Kinder und Jugendlicher, 13jähriger-Gang-Bang-Mädels in trauter Familienrunde verkehrend mag es sicher geben, sind aber sicher auch nicht der Regelfall, der notwendig wäre, um daraus eine "Generation Porn" zu machen.
Bei diesen sozialen Randausfällen handelt es sich bitteschön immer noch um die Minderheit! Und dagegen anzugehen ist auch notwendig.
Wenn aber die SZ in der Bildunterschrift kommentiert "Der Zugang zu harter Pornographie ist leichter geworden - die Frage ist, wie viel Schaden das in der Wirklichkeit anrichtet. Screenshot: YouPorn", dann frage ich mich schon, warum sie damit gleich frei Haus die richtige (und sonst im deutschen Web, in dem der Zugang zu harter Pornografie deutlich schwerer geworden ist in den letzten drei Jahren!) Internetadresse mitliefert. Damit man schneller findet, was man so empörend findet? Auch Minderjährige und bisher Porn-Unbedarfte finden so leichter den Weg zum Thema ;-)
Leute, was soll denn sowas???
Ich denke wenn jetzt Jemand das Buch mit dem Titel "Unsere Kinder sind auch nicht so viel anders als wir es waren" veröffentlichen würde - wäre der Verkaufserfolg das Horrorszenario eines jeden Verlags.
Hier wird mit einer Erfahrung Geld verdient die wohl so alt ist wie die Menschheit selbst: Eltern, die es ein gutes Jahrzehnt lang gewohnt waren besser über das Leben ihrer Kinder bescheid zu wissen als diese selbst, reagieren verstört wenn sie realisieren daß aus den Kinderchen gerade Erwachsene werden die auch so etwas wie ein Privat- und Intimleben für sich reklamieren.
Mit der hier entstehenden Unsicherheit läßt sich halt unter Aufstellung wilder Behauptungen schnelles Geld verdienen.
Mal sind es halt Drogen, dann Sekten oder Politik. Heute ist es halt mal Sex. Und Morgen wird ein findger Geldschneider schon wieder ein neues Thema hochpushen.
Man muss den Begriff "Porno" nur weit genug dehnen, dann findet man auch welche. "Halbnackte" (im Grunde auch schon ein wertender Begriff) Personen haben mit Porno so viel zu tun, wie ein 55PS-Polo mit einem Sportwagen.
Entsprechend geht es dann auch im Internet weiter - macht man sich einmal den Spass und sucht nach "porn", findet man von Bademoden-Fotos über mehr oder weniger anspruchsvolle Aktfotos vieles. Richtige Pornographie im Sinne des Gesetzes ist davon nur eine Minderheit.
Überhaupt scheint Sexualität zu dem wenigen Tabus zu gehören, die nur gelegentlich gebrochen werden, nicht aber schon völlig aufgegeben wurden - es bringt halt mehr Quote, sich an vermeidlichem sozialem Abschaum zu ergötzen und die Jugendschützer steht sowas auch weniger. Der Nippel im Nachtprogramm ist halt schlimmer als der seelische Extrem-Exhibitionismus...
Paging