Im Gespräch: Steven Spielberg "Uns wird es immer geben"

Mit Geld hat das alles nichts zu tun: Regisseur Steven Spielberg spricht über sein neues Projekt, die Revolution des 3-D-Films und das Kino der Zukunft.

Interview: T. Kniebe

Der erste Blick, den E.T., der Außerirdische, auf die menschliche Zivilisation wirft, zeigt ein nächtliches Lichtermeer, ausgerichtet am geordneten Straßengitternetz von Suburbia, USA. Es ist der Blick vom höchsten Punkt des Universal-Studiogeländes hinab auf das San Fernando Valley. Ganz vorn in diesem Panorama liegt eine Ansammlung einstöckiger, ockerfarbener Häuser im mexikanischen Stil. Hier residiert, in einer eigenen Sicherheitszone, die Firma Amblin Entertainment: Steven Spielbergs ureigenes Reich. Hier hat der 62-Jährige seine Filmfamilie versammelt, hier vertreibt ihn keiner mehr - auch wenn er mit dem Studio, auf dessen Gelände er siedelt und das ihm vor 40 Jahren seinen ersten Vertrag gab, derzeit verfeindet ist. Nach den letzten geplatzten Vertragsverhandlungen warf ihm der Universal-Boss sogar vor, sich "wie ein Schwein" verhalten zu haben.

Steven Spielberg, der Mogul, dessen Vermögen inzwischen auf etwa drei Milliarden Dollar geschätzt wird, empfängt keine Journalisten. Das tut nur Spielberg, der Filmemacher: Beiläufig schlendert er an einem T-Rex-Modell vorbei in den Aufenthaltsraum. Fester Händedruck, freundlicher Blick, konzentrierte, präzise Formulierungen. Ein Gespräch ist für ihn weder Verkaufsveranstaltung noch Plauderstunde, sondern Arbeit, die getan werden muss. Ganz wohlfühlen wird er sich dabei nie. Die aktuellen Themen des Filmemachens bewegen ihn, aber im Inhalt seiner Sätze steckt mehr Emotion als in der Art, wie er sie sagt. Man merkt auch, wie sehr er auf der Hut ist, wenn er etwa eine Frage nicht gleich einordnen kann. Sein märchenhafter Erfolg, erkennt man, hat sehr viel mit Kontrolle zu tun - und keineswegs nur mit der weltumspannenden Kraft seiner Phantasie.

SZ: Mr. Spielberg, dürfen wir Sie kurz in die Vergangenheit entführen? Es geht um den Sommer 1965 und um einen neugierigen Teenager, der sich an den Wachen des Studios vorbeigeschlichen hat, die wir auf dem Weg zu Ihnen jetzt gerade passiert haben.

Steven Spielberg: War es der Sommer '65 oder doch eher '66? Ich weiß es nicht mehr. Ich war sehr jung. Fünfzehn oder sechzehn.

SZ: Was geschah, als sie drin waren?

Spielberg: Ich suchte mir eines dieser kleinen Büros in den Holzbaracken aus, das gerade leerstand. In einem Kamerageschäft kaufte ich weiße Plastikbuchstaben und brachte meinen Namen an der Tür an. Dann nahm ich am Schreibtisch Platz. Jetzt war es offiziell: Hier würde ich den Sommer über arbeiten.

SZ: Und niemand hat sie aufgegriffen und rausgeworfen?

Spielberg: Nein. Heute klingt das unvorstellbar, aber so war es. Bei den Studiohallen, wo die großen Filme gedreht wurden, haben sie mich zwar immer wieder vor die Tür gesetzt. Aber dafür konnte ich den Leuten vom Schnitt-Department monatelang über die Schulter schauen. Sie wurden meine besten Freunde. In diesem Sommer habe ich sehr viel über Schnitt gelernt.

SZ: Gibt es dieses Baracke noch?

Spielberg: Oh ja. Dafür habe ich gesorgt. Als ich nach dem Erfolg von "E.T." meine kleine Firma Amblin Entertainment hier aufbaute, bat ich darum, dass die Hütte neben mein neues Büro versetzt wurde. Da hinten steht sie nun, meine Schneideräume befinden sich dort.

SZ: Ihr Projekt, das jetzt ins Kino kommt, ist die zweite Ausgabe der "Transformers" - wild kämpfende Roboter mit doch sehr menschlichen Zügen. Das erinnert ein bisschen an Ihren bösartigen Truck in "Duell", der beim finalen Sturz in die Tiefe eine Art animalisch-röhrenden Todesschrei ausstößt . . .

Spielberg: Manche Themen lassen mich eben nicht los, das stimmt. Aber hier dachte ich eher als Produzent, der beim Spielen mit den Plastikrobotern seiner Kinder eines Tages plötzlich die Idee hatte: Aus diesem Spielzeug lässt sich doch ein cooler Sommerfilm machen!

SZ: Auch andere Gegenstände, haben Sie berichtet, werden in ihrer Phantasie gern mal lebendig . . .

Spielberg: Ja, zum Beispiel Louis-Quatorze-Möbel, die plötzlich Tierpfoten und Katzenschwänze bekommen und sich durchs Zimmer bewegen. Meine Imagination gibt eben niemals Ruhe.

SZ: Das klingt, als könne es bald auch den Blockbuster "Transfurniture" geben.

Spielberg: Oh nein. Das bezweifle ich.

Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie aus massigen Dinosauriern schwerelose Wölkchen werden.