Humorist Vicco von Bülow Loriot ist tot

Er war einer der beliebtesten Deutschen und größten Unterhalter: Der Humorist Vicco von Bülow alias Loriot ist tot. Der 87-Jährige starb am Montag in Ammerland am Starnberger See an Altersschwäche, wie der Diogenes-Verlag am Dienstag mitteilte. Von Bülow sei "sanft entschlafen".

Deutschlands berühmtester Humorist Loriot ist tot. Der Künstler, der mit bürgerlichem Namen Bernhard Victor Christoph Carl (Vicco) von Bülow hieß, starb am Montagabend in Ammerland am Starnberger See an Altersschwäche, wie der Diogenes Verlag mitteilte. Loriot wurde 87 Jahre alt. Loriot sei zu Hause "sanft entschlafen", sagte Diogenes-Sprecherin Ruth Geiger.

Der 1923 in Brandenburg an der Havel geborene Bülow galt als einer der vielseitigsten deutschen Künstler. Er betätigte sich als Karikaturist, Schauspieler und Regisseur und etablierte sich als einer der wichtigsten deutschen Humoristen in Literatur, Fernsehen, Theater und Film. Zuletzt lebte von Bülow zurückgezogen in seinem Haus am Starnberger See.

Loriots zahlreichen Szenen voller Sprachwitz und Pointen sind legendär - etwa die Szene mit der Nudel im Gesicht beim verpatzten Rendezvous, der missglückte Auftritt des Lottogewinners Erwin Lindemann oder die Cartoons Herren im Bad und Das Frühstücksei. Auch seine beiden Kinofilme Ödipussi (1988) und Pappa ante Portas (1991) begeisterten Millionen Menschen.

Die Familie habe den Schweizer Diogenes-Verlag gebeten, die Öffentlichkeit zu informieren, sagte Verlagssprecherin Geiger. Eine ergänzende Stellungnahme der Angehörigen sei nicht geplant. "Die Trauerfeier findet im engsten Familienkreis statt", sagte die Verlagssprecherin. Der Termin wurde von Geiger nicht genannt. "Die Familie möchte dies nicht."

Loriot wurde zunächst mit Zeitschriften-Cartoons und Knollennasenmännchen bekannt. Später kamen die Fernseh-Sketche, etwa in der ARD-Serie Loriot I-VI (Erstausstrahlung 1976-1979), hinzu. In Sketchen wie über die Familie Hoppenstedt trat Loriot meist selbst als wandlungsfähiger Schauspieler hervor, oft mit seiner bereits 2007 verstorbenen Kollegin Evelyn Hamann.

Loriot schrieb legendäre Dialoge von Männern und Frauen, die seiner schlitzohrigen Meinung nach überhaupt nicht zusammenpassen, etwa über das weich- oder hartgekochte Frühstücksei. Außerdem machte er den vielleicht bekanntesten Rentner und Lottomillionär der Fernsehgeschichte unsterblich: Erwin Lindemann (vom Schauspieler Heinz Meier dargestellt), der "seit 66 Jahren" Rentner ist und vor einem Fernsehteam völlig verwirrt seinen Plan verkündet, mit seiner Tochter und dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal zu eröffnen.

Auf jeden Fall war Loriot, der sich nach dem französischen Wort für das Wappentier seiner Familie benannte (loriot = Pirol), einer der populärsten Deutschen. In Umfragen nach der Beliebtheit kam er regelmäßig auf einen der vordersten Plätze. Im Jahr 2007 landete er bei der ZDF-Sendung Unsere Besten - Komiker & Co auf Platz eins.

Der Künstler erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, darunter den Deutschen Filmpreis, den Deutschen Kleinkunstpreis, die Goldene Kamera, den Karl-Valentin-Orden, den Wilhelm-Busch-Preis und den Ernst-Lubitsch-Preis. Loriot war Mitglied der Berliner Akademie der Künste und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Manche nannten den aus dem Brandenburgischen stammenden Offizierssohn, dessen Vorfahren am Hof von Friedrich dem Großen verkehrten, auch den "Karl Valentin des Cartoons und der Fernsehunterhaltung" oder "Deutschlands komischste Figur". Zu seinem 85. Geburtstag im Jahr 2008 war im Berliner Film- und Fernsehmuseum am Potsdamer Platz die bis dahin umfassendste Loriot-Retrospektive zu sehen.

Ganz nah an der Wirklichkeit - und doch einen halben Schritt daneben

mehr...