Hobbit-Film in Neuseeland Mir wird der Hobbit-Film fremd bleiben

Als mein erster Roman verfilmt wurde, geschah das, ich muss es zugeben, auch mit ein bisschen Hollywood-Klimbim. Das Ziel war aber ein anderes, und das erklärt, warum mir der Hobbit-Film fremd bleiben wird. Das Filmhandwerk mit seinen Vereinfachungen, Inszenierungen und Emotionalisierungen diente dazu, die Realität verständlich zu machen. Der Film erzählte von einer kaputten städtischen Maori-Familie, bei ihr führte der Suff zu sinnloser Zerstörung.

Die Maoris rannten in Scharen in diesen Film, obwohl sie nicht als große Kinogeher bekannt sind. Diesmal aber ging es um sie selbst. Es ging darum, wie viele der mehr als eine halbe Million Ureinwohner so leben - zu viele, war die einhellige Meinung. "Once were Warriors" war ein großer Erfolg in Neuseeland. Der Film fand genau deshalb Widerhall, weil es darin um etwas Wahres geht. Er servierte Leben - ohne Pommes und Gewürze. Dieser Wirklichkeit fehlte das Virtuelle.

Was haben Jacksons Filme mit Neuseeland zu tun? Wie reflektieren Tolkiens Bücher Neuseeland? Kommen Maoris in diesen Geschichten vor? Wird darin Rugby gespielt? Riecht es nach Lammkeule? Können wir das Geräusch der Vorort-Rasenmäher in irgendeinem Peter-Jackson-Film hören? Nein, natürlich nicht. Jackson ist Hollywood, und da geht es um verkaufbare Träume, um die Zulieferungen für den Markt der virtuellen Wirklichkeit.

Die Filmwelt, das sind visuelle und akustische Tricksereien

Hobbitland und Neuseeland sind sich nicht im Entferntesten ähnlich - auch wenn jetzt im Dutzend Reisen durch Neuseeland auf den Spuren der Hobbits angeboten werden. Haarige Zwerge mit Knollennasen, die einen Schatz jagen, der von einem Drachen bewacht wird? Und das in einem Land, das den Rugby verehrt - ein Spiel für echte Männer? Ach, komm!

Die Filmwelt, das sind Rauch und Spiegel und Illusionen, visuelle und akustische Tricksereien, die Sound- und Specialeffects nutzen, Musik und plötzliche, laute Geräusche, Lichtspiegelungen, um ihren Betrachter von einer anderen Realität zu überzeugen. Ein Film zielt auf Gefühle ab, weniger auf den Verstand.

Dies kann man wunderbar nutzen, um die Wirklichkeit erzählbar zu machen, denn die reine Wirklichkeit kann nun einmal kein Film zeigen und kein Buch beschreiben, jede Erzählung formt, lässt weg, spitzt zu, braucht erzählerische Mittel.