Hetzportal Erster kreuz.net-Autor legt Amt nieder

"Eines Priesters unwürdig": Als erster Autor der umstrittenen kreuz.net-Seite tritt der Sprecher des ultrakonservativen Netzwerks katholischer Priester, Hendrick Jolie, zurück. Erst hatte der hessische Priester nur Postings auf kreuz.net eingeräumt. Nun gibt er auch längere Beiträge zu.

Von Rudolf Neumaier

Wenn sie es hinterher bedauern, dürfen katholische Priester auf dem Hetzportal kreuz.net andere Personen straflos als "Spackos" und "Gehirngnome" bezeichnen. So kann man die Pressemitteilung des Bistums Mainz zum Fall des Pfarrers Hendrick Jolie zusammenfassen.

Erst hatte der hessische Priester nur Postings auf kreuz.net eingeräumt. Nun gibt er auch längere Beiträge zu. Im Ordinariat musste er sich belehren lassen, dass seine Verlautbarungen auf kreuz.net "eines Priesters unwürdig" seien und die "Kirche beschädigt" hätten. Jolie habe sich entschuldigt, er wolle "Bereiche seiner öffentlichen Wirksamkeit überdenken".

Am Mittwochmittag, als auf seiner Facebook-Seite Zuschriften von Freunden standen, die ihn für seine "Standfestigkeit" lobten und über die Bistumsleitung lästerten, trat Jolie als Sprecher des ultrakonservativen Netzwerks katholischer Priester zurück. Der Theologe David Berger, Koordinator der Initiative "Stoppt kreuz.net!", hält Jolies "Salamitaktik beim Zugeben seiner Autorschaft" für desaströs: "Für Kirchenleute, deren Beruf auf Glaubwürdigkeit basiert, ist das ein Fiasko." Das gleiche gelte für die Mainzer Bistumsleitung und Jolies Netzwerk.

Unterdessen bekräftigte der Musikwissenschaftler Gabriel Steinschulte, der in einem Dossier als Urheber von kreuz.net dargestellt wird, er habe nichts mit der Seite zu tun. Mit seinem Namen gekennzeichnete Beiträge seien aus einem im Internet veröffentlichten Vortrag geklaut worden. Jolie kenne er nicht persönlich.