Herzversagen Jazzlegende Dave Brubeck gestorben

Der US-Pianist Dave Brubeck bei einem Jazz-Festival 1999 in Frankreich.

(Foto: AFP)

Der legendäre US-Jazzpianist Dave Brubeck und Schöpfer des Evergreens "Take Five" ist tot. Der Musiker starb am Mittwochmorgen an Herzversagen. Mit seinen millionenfach verkauften Platten machte er den Jazz salonfähig - wollte sich aber nie in eine Schublade stecken lassen.

Der Jazz-Pianist Dave Brubeck ist tot. Er sei am Mittwoch - einen Tag vor seinem 92. Geburtstag - nach einem Herzversagen im Krankenhaus von Norwalk im Bundesstaat Connecticutan gestorben, berichtete die Chicago Tribune. Der Tod sei "völlig unerwartet" gekommen, sagte sein Manager der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben noch eine große Party geplant." Brubecks ältester Sohn habe am Mittwoch gemerkt, dass etwas nicht stimme. Der Notarzt habe den Musiker dann ins Krankenhaus gebracht, wo er starb.

Der 1920 im kalifornischen Concord geborene Brubeck wollte eigentlich wie sein Vater eine Laufbahn als Farmer einschlagen. So absolvierte er zunächst ein Studium der Tiermedizin, wechselte dann jedoch auf ein Konservatorium. 1942 wurde er in den Militärdienst eingezogen, im Zweiten Weltkrieg trat er aber überwiegend als Musiker auf. Schon als Vierjähriger hatte er, ausgehend von klassischen Pianostücken, begonnen zu improvisieren - lernte aber nie, richtig Noten zu lesen.

Nach seiner Rückkehr kehrte Brubeck wieder ans Konservatorium zurück. Mit seiner Gewandtheit an den Tasten konnte Brubeck zunächst verschleiern, dass er nicht vom Blatt spielen konnte. Als die Professoren schließlich bemerkten, dass er keine Noten lesen konnte, gewährten sie ihm den Abschluss nur unter der Bedingung, dass er nie Musiklehrer werde dürfe.

Noch als Musikstudent gründete er ein Jazz-Oktett. Den Durchbruch feierte er jedoch mit dem 1951 gegründeten Dave-Brubeck-Quartett mit ihm am Klavier, Paul Desmond (Saxofon), Joe Dodge (Bass) und Bob Bates (Bass). Ihr bahnbrechendes Album "Time Out" von 1959 verkaufte sich als erstes Jazz-Album überhaupt millionenfach.

Das Werk warf ein Schlaglicht auf Brubecks unverwechselbare musikalische Handschrift, die von ungewöhnliche Rhythmen und exotischen Blockakkorden geprägt war. Der Pianist verband Jazz mit klassischer Konzertmusik und komponierte häufig in ungewöhnlichen Taktarten. "Das ist die Schönheit der Musik", sagte er 1992 der Nachrichtenagentur AP. "Man kann ein Bach-Stück nehmen und improvisieren. Es macht keinen Unterschied, wo das Stück herkommt; man kann es wie Jazz behandeln." In einem anderen Interview sagte er: "Mein ganzes Leben wollten mich die Menschen immer in eine Schublade stecken. Aber Schubladen langweilen mich."

"Immer noch eine Herausforderung"

Mit Stücken wie "Take Five" (das es im Jahr 1961 sogar in die Billboard-Singlecharts schaffte) oder "In Your Own Sweet Way" erlangte der vielfach preisgekrönte Brubeck Weltruhm und machte den Jazz salonfähig. "Wenn man sich Ziele setzt - meine waren es, polytonal und polyrhythmisch zu spielen - wirst du sie niemals ausschöpfen", sagte er laut New York Times. "Ich habe damit in den vierziger Jahren angefangen. Es ist immer noch eine Herausforderung zu sehen, was mit diesen beiden Elementen möglich ist."

Brubecks Platten - laut Washington Post waren es knapp 100 - verkauften sich millionenfach, und sogar in der berühmten New Yorker Carnegie Hall trat er auf. Auch im Weißen Haus und an der Berliner Mauer gab Brubeck, der sich selbst einmal als "Komponist, der auch Klavier spielt" beschrieb, Konzerte. Brubeck erhielt eine Reihe von Auszeichnungen, darunter 1996 den renommierten Musikpreis Grammy für sein Lebenswerk.

Bis ins hohe Alter stand er mit verschiedenen Jazz-Formationen auf der Bühne. Auch seine fünf Söhne und seine Tochter wurden allesamt Musiker. Auf dem "Walk of Fame" in Hollywood, wo Brubeck einen Stern hat, sollen Blumen für den Musiker niedergelegt werden.