Handke in Norwegen Finsteres Land

Jury-Vorsitz Per Boye Hansen (links) verleiht Peter Handke in Oslo, von heftigen Protesten begleitet, den Ibsen-Preis.

(Foto: Fredrik Varfjell/AP)

Selbstgerecht, boshaft und keiner Belehrung zugänglich: Der norwegische Autor Karl Ove Knausgård wirft seiner Heimat vor, ungerecht mit Peter Handke umzugehen. Der war bei der Verleihung des Ibsen-Preises heftig kritisiert worden.

Von Thomas Steinfeld

Am vergangenen Wochenende erhielt Peter Handke in Norwegen den Ibsen-Preis, die höchstdotierte Auszeichnung im internationalen Theater. Die Vergabezeremonie wie das sich anschließende Kolloquium waren von heftigen Protesten begleitet. In der norwegischen Presse wurde Handke nicht nur vorgeworfen, serbische Kriegsverbrechen gerechtfertigt und den radikalen serbischen Nationalismus unterstützt zu haben. Er selber wurde auch als Faschist und Nationalsozialist bezeichnet.

In einer langen, heftigen Polemik, die an diesem Donnerstag in Verdens Gang, der größten Tageszeitung des Landes, erschienen ist, wirft nun Karl Ove Knausgård, gegenwärtig auch international der erfolgreichste Autor des Landes, den Kritikern Handkes Ahnungslosigkeit, Ignoranz und Intoleranz vor. Der Kritik an Handke hätten allenfalls minimale Textkenntnisse zugrundegelegen, an Deutschkenntnissen habe es ganz gefehlt.

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Insbesondere greift Karl Ove Knausgård den ehemaligen Verleger William Nygaard an, den Vorsitzenden des norwegischen Pen, der behauptet hatte, Handkes Äußerungen zu Serbien befänden sich weit jenseits dessen, was durch das Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt sei. Ihm entgegen zitiert Knausgård die am häufigsten inkriminierten Äußerungen Handkes zu Serbien und fragt dann, was daran so anstößig sei, dass der Vorsitzende einer Organisation, die sich als Verteidigerin der Meinungsfreiheit betrachte, dem Schriftsteller dieses elementare bürgerliche Recht aberkennen wolle. Des weiteren greift Karl Ove Knausgård große Teile der norwegischen Presse an, die alle Vorwürfe gegen Handke übernommen hätten, ohne auch nur eine Behauptung zu überprüfen, und sich stattdessen zu einer Hetzgemeinschaft zusammengefunden hätten.

Und er wendet sich gegen den Lyriker Øyvind Berg, der Handkes preisgekröntes Stück "Immer noch Sturm" aus dem Jahr 2011 für nationalsozialistische Propaganda erklärt hatte, ohne den Vorwurf mit irgendeiner Stelle aus dem Text belegen zu können. Als ein finsteres Land erscheint Norwegen in Knausgårds Artikel, ebenso selbstgerecht wie boshaft und keiner Belehrung zugänglich.