Gesellschaft für deutsche Sprache "Flüchtlinge" ist Wort des Jahres

Das beherrschende Thema des Jahres, sagt die Jury, sei auch sprachlich interessant.

Das Wort des Jahres 2015 ist "Flüchtlinge". Es stehe für das beherrschende Thema des Jahres, teilte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden mit. Auf den Plätzen zwei bis zehn folgen: "Je suis Charlie", "Grexit", "Selektorenliste", "Mogel-Motor", "durchwinken", "Selfie-Stab", "Schummel-WM", "Flexitarier" und "Wir schaffen das!".

"Flüchtlinge" sei als Wort auch sprachlich interessant, schreibt die GfdS:

"Gebildet aus dem Verb flüchten und dem Ableitungssuffix -ling, klingt Flüchtlinge für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig. Analoge Bildungen wie Eindringling, Emporkömmling oder Schreiberling sind negativ konnotiert, andere wie Prüfling, Lehrling, Findling, Sträfling oder Schützling haben eine deutlich passive Komponente. Neuerdings ist daher öfters alternativ von Geflüchteten die Rede. Ob sich dieser Ausdruck im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen wird, bleibt abzuwarten."

Seit 1971 kürt die GfdS in Wiesbaden das Wort des Jahres - eine Wendung, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in diesem Jahr besonders geprägt hat. Eine Jury, bestehend aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft und ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern, erstellt kurz vor Jahresende eine Rangliste mit zehn Wörtern, an deren Spitze das Wort des Jahres steht.

Mehr als tausend Vorschläge sammelt die Gesellschaft für deutsche Sprache Jahr für Jahr - aus Medienberichten oder privaten Einsendungen. Bei der Entscheidung geht es letztendlich darum, "den sprachlichen Nerv des Jahres zu treffen", wie die Gesellschaft sagt. In den vergangenen Jahren wurden "Lichtgrenze" (die Lichtinstallation zum Mauerfall-Jubiläum), "GroKo", "Rettungsroutine", "Stresstest" und "Wutbürger" zum Wort des Jahres gewählt.