Geheimnis um Meisterwerke gelüftet Picasso sparte bei der Farbe

Er war ein Genie - und malte mit gewöhnlichen Wandfarben: Statt mit den damals üblichen Ölfarben schwang Pablo Picasso als wohl erster maßgeblicher Künstler den Pinsel mit billigen Hausgebrauchsfarben. Zu diesem Ergebnis kommen jetzt Forscher aus Chicago.

Er ist ein Mythos der Malerei: Bereits zu seinen Lebzeiten wurden dem spanischen Jahrhundert-Künstler Pablo Picasso zwei Museen gewidmet, sein Lebenswerk umfasst etwa 50.000 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Plastiken und Keramiken, die von Experten und Wissenschaftlern immer wieder aufs Neue interpretiert wurden. Nicht bekannt war bislang allerdings, dass Picasso seine Meisterwerke mit gewöhnlicher Hausgebrauchsfarbe malte.

Das fanden nun der Nano-Forscher Volker Rose und die Wissenschaftlerin Francesca Casadio vom Art Institute of Chicago heraus, die die Ergebnisse ihrer Studie im Magazin Applied Physics A veröffentlichten. Die Forscher hatten die Struktur der Farbe aus fünf Werken Picassos analysiert.

Außerdem verglichen sie Proben von Hausfarbe, die jahrzehntealt waren, mit den Proben von Picassos Gemälden. Die chemischen Bestandteile waren identisch. Die Wissenschaftler kamen abschließend zu dem Ergebnis, dass die Farbe auf Picassos Gemälden mit der Zusammensetzung der in den 1930er Jahren verwendeten Hausfarbe Ripolin, einer Emailfarbe, übereinstimmt.

Damit dürfte Picasso einer der ersten Künstler seiner Zeit gewesen sein, der mit der sehr viel günstigeren Farbe malte. Andere Künstler verwendeten damals Ölfarben. Picasso habe damit einen neuen Kunststil eingeleitet, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Die Ergebnisse geben nicht nur Physikern interessante Einblicke in Picassos Werke, sie könnten außerdem dabei helfen, bessere Restaurationstechniken zu entwickeln.