Frauenquote Judith Butler gegen die Universität Lund

Als per Quotenbeschluss ein Text von Judith Butler auf die Literaturliste eines Seminars an der Uni Lund soll, antwortet die Professorin mit einem flammenden Plädoyer für die Freiheit der Lehre.

Von Thomas Steinfeld

Am politikwissenschaftlichen Institut der schwedischen Universität Lund kam es vor einigen Wochen zu einem Skandal, als sich zwei Dozenten dagegen wehrten, dass die Literaturliste zu einem ihrer Seminare einer Frauenquote unterworfen sein sollte. Die Veranstaltung galt der konservativen Kritik demokratischer Ideale im 19. Jahrhundert. Als Literatur hätten ausschließlich Primärtexte dienen sollen - und diese wurden von Männern geschrieben. Die Institutsleitung forderte dagegen die Respektierung einer selbstverhängten Regel, derzufolge mindestens vierzig Prozent der Autoren auf einer Literaturliste Frauen zu sein hatten - und setzte einen Text der amerikanischen Philosophin und Feministin Judith Butler auf die Liste. Daraufhin wandte sich einer der beiden Dozenten an Judith Butler, Professorin für Rhetorik an der Universität Kalifornien in Berkeley.

Die Antwort kam prompt: "Ich verwahre mich dagegen, dass mein Name auf diese Weise benutzt wird", schrieb Judith Butler in einer Mail. "Die akademische Freiheit gibt dem akademischen Lehrer das Recht, seine Lehrveranstaltungen nach seinem eigenen professionellen Urteil zu gestalten ... Ich wehre mich dagegen, von Lehrern zu erwarten, dass sie mit bestimmten Texten oder Autoren arbeiten ... Die Methode ist verwerflich, und ihr Zweck kann durch Zwang nicht erreicht werden ..., während die akademischen Freiheit in Zeiten, da sich autoritäre Herrschaftsformen ... ausbreiten, besonders wichtig ist ... Quoten sind der Versuch einer Abkürzung, mit ihnen kann das Ziel von Gerechtigkeit innerhalb einer Gesellschaft nicht erreicht werden. Eine gerechte Gesellschaft erreichen wir durch Freiheit, und jede Vorstellung von Gerechtigkeit, die uns Freiheit verweigert, verweigert uns auch die Gerechtigkeit selbst."