"Die Frau des Journalisten" von Ilse Kienzle Wir sind hier, um zu berichten

Ilse und Ulrich Kienzle überstanden den libanesischen Bürgerkrieg - ihre Ehe auch.

(Foto: sagas GmbH)

Ilse Kienzle beschreibt in ihrem Buch, wie man an der Seite eines TV-Korrespondenten Kriege und Alltag übersteht. Denn auch in Deutschland lässt sie und ihren Mann Ulrich Kienzle das Erlebte nicht los.

Von Christine Brinck

Es gibt Berufe, wo die Ehefrau immer noch die wackere Frau an seiner Seite ist, ob sie will oder nicht. Eine ist die Botschaftergattin, eine andere die Präsidentengattin, weniger bekannt ist das Schicksal der Journalistengattin. Zumeist ist letztere mit einem Journalisten verheiratet, der eine Art Nine-to-five-Job als Redakteur hat. Zu den bekanntesten Journalisten indes zählen die TV-Korrespondenten in fernen Ländern.

Im seltenen Glücksfall ist die Gattin auch Journalistin, und ihr Arbeitgeber versetzt sie an den Arbeitsort ihres Ehemanns. Alle anderen, die mitgehen, müssen zumeist ihren Beruf ruhen lassen. Zwar kann man theoretisch überall Apothekerin, Ärztin, Lehrerin, Bibliothekarin oder Laborantin sein, praktisch aber müsste man alle vier, fünf Jahre in einem neuen Land eine neue Arbeitserlaubnis bekommen und eine neue Sprache fließend sprechen.

Erste Berührung mit dem Auslandsjournalismus

Ilse Kienzle ist so eine Frau. Sie ist die Frau an der Seite des TV-Journalisten Ulrich Kienzle, nunmehr seit 48 Jahren. Sie war Lehrerin. Früh schon wurde sie durch den Tod eines befreundeten Kollegen ihres Mannes, erschossen im Jemen, auf die möglichen Gefahren des Korrespondentenberufs gestoßen. Sie versuchte die Sorgen zu verdrängen, bemerkte aber: "Ulis Beruf begann mehr und mehr mein Leben zu bestimmen."

Zunächst war diese Einsicht auf Deutschland beschränkt, Köln und Stuttgart, wo Kienzle ein gern provozierender Journalist war, und seine Gattin die wenig berechenbaren Tageszeiten eines leitenden Fernsehjournalisten kennen lernte. Doch nach einer ersten Berührung mit dem Auslandsjournalismus - Kienzle berichtete aus Kairo während des Arabisch-Israelischen Kriegs von 1973 - wurde er Nahostkorrespondent mit Sitz in Beirut.

Die RAF ließ im Libanon Mitglieder zu Terroristen ausbilden, und Kienzle bekam ein Angebot vom BND, das er empört ablehnte. Spätestens da dämmerte es der Ehefrau, dass die Reise nicht nur eine schöne Welt- und Bildungsreise würde. Beirut war nicht Stuttgart, und die Frau, die stets berufstätig gewesen war, erlebte nun, wie ihr Mann tagelang unterwegs im gesamten Nahen Osten ist, und sie allein ohne Familie und Beruf in der Fremde sitzt. Der Zufall kam ihr zu Hilfe: Die Deutsche Schule brauchte eine neue Deutschlehrerin.

Ilse Kienzle zeigt anschaulich, wie sich der libanesische Bürgerkrieg sehr langsam entwickelte und immer mörderischer wurde. Sie erzählt, wie einige Mitarbeiter unfähig waren zu arbeiten und abreisten. Sie beschreibt Kameraleute, die wie neuzeitliche Musketiere ihr Geschäft fast stoisch ausübten. "Für Uli war eine Rückkehr ausgeschlossen - er war Journalist, hier spielten sich umwälzende politische Ereignisse ab." Und sie? "Für mich kam eine Rückkehr nicht infrage, weil sie für Uli nicht infrage kam."