Die CDs der Woche - Popkolumne Souverän zusammengeschweißt

Das Album "Otherworldly" (Disko B) von The Pyramids.

Wenn Gefangene mit einer Uni-Band eine Platte aufnehmen: Das Soul-Jazz-Album "Hard Luck Soul" belegt, dass der richtige Moment manchmal mehr zählt als Virtuosität. Und es gibt noch mehr großartige Gemeinschaftsleistungen - zum Lesen und Hören in unserer Popkolumne, diesmal sehr jazzig.

Von Andrian Kreye

The Pyramids

Selbsterfahrung ist ein hässliches Wort aus den egoistischen Späthippiejahren. Doch weil der Modern Jazz seine Protagonisten schon so früh zwang, mangels gültiger Strukturen tief in sich selbst zu schürfen, gibt es kaum ein anderes Genre, das solche Reisen ins Ich so überzeugend umsetzte. Die Pyramids gehörten auf dem Gebiet zu den größten Abenteurern. Anfang der Siebzigerjahre taten sich drei Studenten vom Antioch College inspiriert von Gastprofessor Cecil Taylor zusammen, um mit freiem Jazz nicht nur sich, sondern auch ihre Herkunft auszuloten. Zwei ihrer Spätsemester verbrachten sie in Afrika.

Nach ihrer Rückkehr nahmen sie drei Alben auf, die im Geiste von Pharoah Sanders und Sun Ra das afrikanische Erbe und die amerikanische Gegenwart in epische Klangexperimente umsetzten, die sie mit klaren Beats und mächtigen Basslinien verankerten. Lange waren sie verschollen. Vor drei Jahren fanden sie wieder zusammen und tourten durch Europa. Dabei entstand im Tonstudio der Krautrockgruppe Faust das Album "Otherworldly" (Disko B), das nahtlos an die "kulturelle Odyssee" anschließt, die Saxofonist Idris Ackamoor und Bassist Kimathi Asante vor fast vierzig Jahren unterbrachen. Eine Box mit den ersten drei Alben erschien zeitgleich dazu.

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