Debatte um Jakob Augstein Wer sich israelkritisch äußert, ist nicht zwangsläufig Antisemit

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat die Vorwürfe gegen den Journalisten Jakob Augstein relativiert - und differenziert. Zuvor waren seine Äußerungen unter die zehn schlimmsten antisemitischen Verunglimpfungen 2012 gewählt worden. Nun soll Augstein sich erklären, fordert Rabbi Abraham Cooper.

Das US-amerikanische Simon-Wiesenthal-Zentrum hat seinen Antisemitismus-Vorwurf gegen den Journalisten und Verleger Jakob Augstein differenziert. In einer Rangliste des Zentrums seien israelkritische Äußerungen Augsteins zu den zehn schlimmsten weltweit gezählt worden - das bedeute aber nicht automatisch, dass Augstein ein Antisemit sei. "Wir sprechen nicht von der Person, sondern von den Zitaten", stellte der für die Liste mitverantwortliche Rabbi Abraham Cooper im Gespräch mit der dpa klar.

Wie über Augstein zu urteilen sei, hänge auch von dessen Reaktion auf die Vorwürfe ab. "Sprechen wir von antisemitischen Äußerungen, bei denen sich die Person vielleicht gar nicht bewusst war, eine Grenze zu überschreiten? Oder geht es um jemanden mit einem Antisemitismus-Problem - der sich dieses Problems bisher gar nicht bewusst war -, oder sprechen wir von einem Antisemiten?"

Unter der Überschrift "2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs" (Top Ten der antisemitischen/antiisraelischen Verunglimpfungen 2012) hatte die US-Organisation Augstein auf Rang neun platziert.

In einem Statement, das Süddeutsche.de vorliegt, nennt Cooper in Bezug auf den israelischen Autor Natan Sharansky drei Kriterien für die Unterscheidung zwischen Kritik und antisemitischer Äußerung: Doppelmoral, Dämonisierung oder Delegitimisierung. Unter diesen Umständen sei "die rote Linie überschritten", teilte Cooper mit. Augstein habe die ultraorthodoxe Gemeinschaft beleidigt, indem er sie mit islamistischen Extremisten verglichen habe. "Das sind keine Beispiele von legitimer Kritik und politischem Kommentar", heißt es in dem Statement von vergangener Woche weiter. "Er schuldet seinen deutschen Lesern und dem jüdischen Volk eine Entschuldigung."

Zentralrat der Juden hatte sich distanziert

Augstein habe es jetzt selbst in der Hand, sagte Cooper der dpa. "Soweit ich weiß, hat er sich zu den Details noch nicht geäußert, aber genau darauf schauen wir. (...) Er hat sich noch nicht entschuldigt."

"Schauen Sie sich die Zitate an, bilden Sie sich Ihre eigene Meinung", so Cooper weiter. Augstein sei wegen seines Einflusses auf die öffentliche Meinung in Deutschland auf die Liste gesetzt worden. "Und ja - auf der Liste stehen auch Leute, die sich darüber freuen, weil sie professionelle rassistische Fanatiker sind und hasserfüllt."

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte sich von den Vorwürfen gegen Augstein distanziert und dem Simon-Wiesenthal-Zentrum unzureichende Recherche vorgeworfen.