Comic Murmeltiermusik

Das neue Abenteuer bringt den kleinen Stubbel in die Welt des Yetis, der ihn aus Liebe fast umbringt.

Von CHRISTOPH HAAS

Aufgestanden, kurz ins Bad, ein kleines Frühstück, ein Abschiedsküsschen von der Mama - und hinaus in die Welt! Mit einem Rucksack über den Schultern marschiert der kleine Strubbel munter los. Blau ist der Himmel, grün die Wiese, plötzlich aber beginnt es zu schneien, und eine gewaltige Sturmböe entführt den einsamen Wanderer in eine ferne, eisige Winterwelt, wo er erst einmal leblos liegen bleibt. Drei Murmeltiere finden ihn, seine sonst knallrote Nase ist blau gefroren; an einem Kaminfeuer, das in einer gemütlichen Blockhütte lodert, taut er schnell wieder auf.

Da erscheint ein Yeti und schleppt Strubbel nach draußen, um im Schnee mit ihm zu spielen. Der riesige Kerl meint es lieb, ist jedoch leider ein arger Grobmotoriker, der mit seinen Kräften nicht umgehen kann. Es kommt zu Tränen, sogar beim Yeti, der den Eindruck hat, nicht zum Freund zu taugen. Zum Glück kann Strubbel ihn vom Gegenteil überzeugen, und so musizieren sie schließlich vergnügt mit den Murmeltieren, die als The Marbles ein wildes Rock-Trio bilden.

"Kleiner Strubbel" ist ein Comic, der ganz auf Worte verzichtet. Diese sind auch nicht nötig, denn die Bilder können in den Kontrasten, die sie setzen, alles alleine erzählen. Winzig und schwarz ist Strubbel, der Yeti dagegen ein weißer Fellberg. Die Murmeltiere kommen eher cool daher, während die naiv-empfindsame Seele des Yetis aller Freude und Traurigkeit, allem Übermut ungehemmt Ausdruck verleiht.

So bunt die Abenteuer sind, die der kleine Strubbel erlebt - acht weitere liegen schon vor -, ihr Anfang und Ende verlaufen immer nach demselben Muster. Dem Aufstehen und Verlassen des Hauses am Morgen entsprechen die Heimkehr und das selige Einschlafen am Abend. Dem kindlichen Wunsch nach Geborgenheit wie nach Evasion verleiht diese Reihe gleichermaßen bezaubernd Ausdruck.

Für ganz junge Leser gibt es auf dem deutschen Comic-Markt nichts Besseres. (ab vier Jahre)

Céline Fraipont (Szenario) und Pierre Bailly (Zeichnungen): Kleiner Strubbel - Der Yeti hat den Blues. Aus dem Französischen von Volker Zimmermann. Reprodukt Verlag 2015. 32 Seiten, 10 Euro.