Berühmter Kinderbuchautor Otfried Preußler ist tot

Kinderbuchautor Otfried Preußler verstarb im Alter von 89 Jahren.

(Foto: dpa)

Er schrieb legendäre Kinderbücher wie "Der Räuber Hotzenplotz" oder "Das kleine Gespenst" und lebte die Überzeugung: "Kinder sind das beste und klügste Publikum, das man sich als Geschichtenerzähler nur wünschen kann." Nun ist der Schriftsteller Otfried Preußler im Alter von 89 Jahren verstorben.

Er schrieb so berühmte Kinderbücher wie "Die kleine Hexe" oder "Krabat", nun ist Otfried Preußler tot. Der Schriftsteller starb laut einer Erklärung des Stuttgarter Thienemann-Verlags bereits am 18. Februar in Prien am Chiemsee. Er wurde 89 Jahre alt.

Am 20. Oktober 1923 im böhmischen Reichenberg - das heutige Liberec - in eine Lehrerfamilie hineingeboren, erlebte Otfried Preußler einen Vater, der als leidenschaftlicher Heimatforscher die Sagen des Isergebirges sammelte, und eine Großmutter, die ihn unermüdlich mit Geschichten fütterte. "Das Geschichtenbuch meiner Großmutter, das es in Wirklichkeit überhaupt nicht gegeben hat, ist das wichtigste aller Bücher für mich, mit denen ich je im Leben Bekanntschaft gemacht habe", bekannte Preußler einmal.

Schon mit zwölf Jahren schrieb er selbst erste Geschichten und wünschte sich, später einmal als Schriftsteller in Prag zu leben. Doch der Zweite Weltkrieg macht solcherlei Pläne zunichte: Nach dem Abitur 1942 wurde Preußler in die Wehrmacht einberufen und landete schließlich nach fünf Jahren in sowjetischer Kriegsgefangenschaft 1949 im oberbayerischen Rosenheim.

"Die kleine Hexe" erfand Preußler für seine Tochter

Um sich eine Existenz aufzubauen, fing er noch während seines folgenden Lehramtsstudiums mit dem Schreiben an - zunächst als radelnder Lokalreporter, dann als Autor für den Kinderfunk. Sein erster großer Erfolg gelang Preußler 1956 mit dem "Kleinen Wassermann". Und als eine seiner drei in den 1950er Jahren geborenen Töchter aus Angst vor bösen Hexen nicht einschlafen konnte, erfand er ein Jahr darauf kurzerhand "Die kleine Hexe", die mit Hilfe des redseligen Raben Abraxas alles dafür tut, eine gute Hexe zu werden.

Erinnerung an Otfried Preußler Die schönsten Momente aus "Der Räuber Hotzenplotz" zum Nachhören

(Video: Preußler/Thienemann/WDR/Der Audio Verlag, Foto: dpa)

1962 schließlich rief Otfried Preußler den mittlerweile weltberühmten "Räuber Hotzenplotz" ins Leben, der gleich in mehreren Büchern dem tumben Wachtmeister Dimpflmoser das Leben schwermacht und mit Gert Fröbe ein legendäres Gesicht bekam. Nach dem "Kleinen Gespenst" (1966) präsentierte Preußler 1971 schließlich seinen ersten Jugendroman "Krabat" - das Buch über den Kampf um Freiheit, das Ringen um Macht, Magie und Liebe wurde ein Welterfolg, der in 31 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen, darunter dem Deutschen und Europäischen Jugendbuchpreis, ausgezeichnet wurde.

Jeden neuverfassten Text stellte Preußler zuerst vor Kindern auf den Prüfstand - eine Achtung, die sich bis heute in Dankesbriefen widerspiegelt. "Kinder sind das beste und klügste Publikum, das man sich als Geschichtenerzähler nur wünschen kann", meinte Preußler dazu. "Und sie sind strenge, unbestechliche Kritiker."

Zu seinem 85. Geburtstag wurde "Krabat" mit David Kross in der Hauptrolle verfilmt, die Geschichte vom Müllerjungen, der nach dem Dreißigjährigen Krieg in der Oberlausitz sein Glück sucht und den Teufel findet. "Ich glaube ja nicht an Zufälle, für mich ist es Fügung, dass die Geschichte, mit der ich mich mein ganzes Leben lang auseinandergesetzt habe, ausgerechnet zu meinem 85. Geburtstag ins Kino kommt", schrieb Preußler den Filmemachern gerührt in einem Dankesbrief.

In den vergangenen Jahren war es ruhig geworden um den Schriftsteller. Er gab keine Interviews mehr und lebte zurückgezogen am Chiemsee in Oberbayern. An der von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) angestoßenen Debatte um die Tilgung von Begriffen wie "Negerlein" und "Neger" aus "Die kleine Hexe" beteiligte er sich nicht mehr öffentlich. Wie es hieß, sträubte er sich zwar gegen Änderungen an seinen Texten, ließ am Ende die Streichungen aber zu.

Preußlers Werke wurden in 55 Sprachen übersetzt, vielfach preisgekrönt und weltweit mehr als 50 Millionen Mal verkauft. Bis zuletzt habe er "große Freude" an der Arbeit mit Texten gehabt, teilte sein Verlag mit. Seine letzte Veröffentlichung "Der kleine Wassermann - Sommerfest im Mühlenweiher" war erst vor wenigen Tagen erschienen.