Ausstellung: Less and More – Braun Elektrorasierer "S60" von 1958

Doch so groß der Erfolg auch war, die Macht der bunten Fototapeten, Nierentische und visuellen Pop-up-Versuche von Firmen wie Alessi war offensichtlich größer: Die vergangenen Jahrzehnte sind eben nicht in die Designbücher dank ihrer schlichten Eleganz eingegangen. Erst in den vergangenen Jahren haben Firmen wie Apple, dessen Chefdesigner Jonathan Ive fast mantraartig Dieter Rams zu seinem Helden erklärt, oder das japanische Unternehmen Muji, das Designer wie Naoto Fukusawa beschäftigt, extrem reduzierte Produkte wieder in die Schaufenster und Regale gebracht. Wie ein Meisterschüler hat sich dabei Apple hervorgetan. Die erste Generation des iPods sieht tatsächlich aus wie das Nachfolgemodell von Rams' Taschenradio T3 aus dem Jahr 1958. Auch die schlichten schwarzen Apple Monitore wirken wie die Zwillinge seiner Elektrostat-Lautsprecher, die nach einem halben Jahrhundert gerade wieder neu aufgelegt werden. Doch bei all den optischen Parallelen fällt ein wesentlicher Unterschied doch auf: Dieter Rams forderte nicht nur ein innovatives, unaufdringliches und ästhetisches Design, das ein Produkt brauchbar und verständlich macht, sondern auch eins, das umweltfreundlich und langlebig ist. Sein Motto "weniger, aber besser" ist auch der Anspruch, nur dann ein neues Design für ein Produkt zu entwerfen, wenn es tatsächlich eine Neuerung in der Funktion gibt. Umweltschutz bedeutet damit auch den Verzicht darauf, ständig neue Produkte auf den Markt zu bringen, die schon in kurzer Zeit wieder von den eigenen übertroffen werden. Zugegeben: für ein Unternehmen, das selbst mit Übergangsmodellen sehr viel Geld verdient, mag das schwer sein. Doch was bei Dieter Rams eine Haltung war, ist bei Apple nur noch verkaufsfördernd.

Less and More. Das Designethos von Dieter Rams. Bis 5. September im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt. Infos unter www.angewandtekunst-frankfurt.de. Zur Ausstellung ist ein ausgezeichneter Katalog im Verlag Gestalten erschienen, der während der Ausstellung 39 Euro, später 49,90 Euro kostet.

Foto: Braun GmbH

Bild: online.sdekultur 25. Mai 2010, 18:252010-05-25 18:25:55 © sueddeutsche.de