Ausstellung Bilderexplosion

Mit "Luxusbüchern" eröffnet die Bayerische Staatsbibliothek eine Trilogie der Buchmalerei.

Von Johan Schloemann

Eine "Explosion der Bilder" ruft die Ausstellungsmacherin aus. Es geht aber nicht um eine der vielen Digitalfotografie- und Selfie-Ausstellungen, wie sie gerade aus diversen Museen hervorsprießen; und es spricht hier auch keine trendige Medien-Diskurs-Kuratorin, sondern die Leiterin der Abteilung für Handschriften und alte Drucke in der Bayerischen Staatsbibliothek in München, Claudia Fabian.

Nein, diese Bilderexplosion ereignete sich vielmehr im Spätmittelalter. Es war wie heute eine Zeit neuer Medien: Immer mehr Bücher wurden im Übergang von der Handschrift zum Buchdruck mit Illustrationen versehen. Das lag zum Teil am wachsenden Pracht- und Farbhunger der Klöster und Bischöfe, Höfe und Herrscher; es lag aber auch am Strom neuer Kenntnisse im Zeitalter von Humanismus, Wissenschaft und Entdeckungen, einem Strom, den man mit Texten, Tabellen, Diagrammen und Bildern zu kanalisieren suchte.

Und wie bei der Tafelmalerei, Architektur oder Skulptur, wo diese Entwicklung viel bekannter ist, so wurden auch die Buchmaler zwischen Gotik und Renaissance selbstbewusster und traten stärker als Persönlichkeiten hervor, manche auch mit Signaturen. Der kulturelle und wirtschaftliche Aufschwung der Städte machte im Süden Deutschlands Nürnberg, Augsburg und Regensburg zu neuen Zentren der Buchmalerei, die dann wiederum mit der neuen Technik der Druckgrafik in eine fruchtbare Konkurrenz trat. Auch die Medienrevolution der Reformation war eine gemischte: neben den einfacheren Drucken, die Martin Luthers Schriften rasant verbreiteten, gab es die exklusiveren Exemplare, die per Hand farbig vervollständigt wurden - Ausmalbücher für Erwachsene.

München hat einen reichen Bestand dieser bebilderten Bücher des 15. und 16. Jahrhunderts. Selbst Spezialforscher kennen sie nicht alle, aber damit die Schätze nicht zwischen deren seltenen Besuchen nur herumschlummern, gibt es jetzt eine Präsentation für das Publikum, größer als alle bisherigen Schatzkammerausstellungen.

Auch aus konservatorischen Gründen hat die Schau drei Teile: der erste, von diesem Mittwoch an zu sehen, zeigt "Luxusbücher", unter anderem mit einer erstaunlichen Miniatur von Hans Holbein dem Älteren und dem "Salzburger Missale". Von Juli an gibt es dann bunte Andachtsbücher sowie die beliebte Bilderwelt der späten Ritter mit ihren Wappen und Turnieren. Die dritte Portion, von November an, widmet sich den neuen Wissenschaften und der Entwicklung der Bibelausgaben bis zu Martin Luthers Übersetzung.

Große historische Bibliotheken werden mit solchen Projekten selbst so etwas wie Exponate der Medienkonkurrenz: Es lockt die Aura der Originale - und andererseits wurden fast alle der empfindlichen Stücke auch für eine virtuelle Ausstellung aufwendig digitalisiert.

Bilderwelten. Buchmalerei zwischen Mittelalter und Neuzeit. Bayerische Staatsbibliothek, München. Teil 1: Luxusbücher, 13. April bis 15. Juli. Teil 2: Ewiges und Irdisches, 25. Juli bis 6. November. Teil 3: Aufbruch zu neuen Ufern, 14. November bis 24. Februar 2017. Virtuelle Ausstellung: www.bilderwelten2016.de. Der Katalog (Quaternio Verlag) kostet in der Ausstellung 29,80 Euro.