"About a Girl" im Kino Mit dem Föhn in die Wanne

Charleens (Jasna Fritzi Bauer) Suizid mit Föhn misslingt am Ende - dem Handy sei Dank.

(Foto: Bastian Fischer)

Der deutsche Film macht zwanghaft alles zur Lachnummer. In "About a Girl" steht nun der suizidgefährdete Teenager zur Komödisierung an.

Von Rainer Gansera

Lachen auf Teufel komm raus, oder: Comedy als ultimative Form. Die neueste Tendenz im deutschen Film zeigt sich als geradezu zwanghaftes Bemühen, alles zur Lachnummer zu machen. Jedes Thema, jeden Stoff, auch jedes bislang tragisch codierte Sujet.

In Mark Monheims Spielfilmdebüt "About A Girl" ist es der suizidgefährdete Teenager, der zur Komödisierung ansteht. Die Geschichte der 15-jährigen Charleen (Jasna Fritzi Bauer), die das Leben, von dem sie mächtig angeödet ist, endlich wieder lieben lernen darf. Bekehrung einer Lebensüberdrüssigen als merkwürdiger Cocktail aus Gags und Rührseligkeiten.

Charleen ist kein Gothic-Girl, hat aber gewisse morbide Vorlieben. Sie fotografiert gern verendete Tiere und sammelt die Fotos gewissenhaft in ihrem Tierkadaver-Album. Sie tapeziert ihr Zimmer mit Postern von Popstars, die dem Motto "live fast die young" folgten: Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Amy Winehouse. Ihr Praktikum absolviert sie beim örtlichen Bestattungsinstitut mit den bequem gepolsterten Särgen. Sie findet Erwachsene prinzipiell superpeinlich und hält das ohnehin todesüberschattete Leben für eine Zumutung zwischen Ödnis und Katastrophe.

Tragikomik light

Bis hier erscheint der mit hübschen Sarkasmen ausgemalte Abriss von Charleens Düster-Universum spannend und munter. Doch er entwickelt sich nicht weiter, bleibt Idee, Fragment, Zitat. Monheim versucht, den Tonfall amerikanischer Coming-of-Age-Dramen wie "Juno" zu imitieren - und verbaut sich den Weg zur eindringlicheren Erkundung von Charleens Seelenlage mit seinem noch stärkeren Willen zu Gag und Pointe. Zum Beispiel von dem Sog, den juvenile Todesfaszination haben kann - Sofia Coppola hat ihn in "The Virgin Suicides" bestürzend genau beschrieben - wird hier nichts spürbar.

Wenn Charleen, einer "Ich-bin-jetzt mal-tot!"-Laune folgend, mit dem Föhn in die Badewanne steigt und im entscheidenden Moment dann doch nach ihrem klingelnden Handy greift, erscheint das Scheitern ihres Selbstmordversuchs als Gag des kuriosen Zufalls. Tragikomik light. Das Mädchen stolpert und landet mit Halskrause im Krankenhausbett.

Die nun folgende, von psychotherapeutischen Sitzungen begleitete Bekehrung Charleens zum Glauben an Lebensfreude und Lebensglück setzt Monheim als Exzess der Schrulligkeiten in Szene. Er umringt seine immer noch grimmig dreinschauende Heldin mit einer Überfülle von Nebenfiguren, die allesamt nach dem Muster liebenswerter Versponnenheit gestrickt sind und typologisch aus der Familienkomödien-Klamottenkiste stammen: die unendlich besorgte, aber schrecklich überforderte Mama; die verständnisvoll-fidele Oma; der Psychiater-Pfiffikus mit seinen Kalenderspruchweisheiten; die Sozialarbeiterin-Trulla, die immerzu nervt und es doch nur gut meint.

Emotional in einer Puppenstubenwelt

Das Kauzige wird zum gemeinsamen Nenner des gesamten Personals. Und das nicht nur bei den Erwachsenen. Der Mitschüler, in den sich Charleen therapieförderlich verlieben darf, ist ein nerdiger Klassenstreber namens Linus. Er wird sie im Einkaufswagen durch die Straßen kutschieren. Verliebtheit als Schmusedeckenfeeling. Es ist eine infantile Peanuts-Welt, in der Charleen von ihrem Lebensüberdruss geheilt werden soll.

Verliebtheit als Schmusedeckenfeeling

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Merkwürdig: ein Film, der sich als Coming-of-Age-Geschichte präsentiert, gönnt seiner Heldin keine weiteren Schritte ins Erwachsenwerden, keinerlei Reifungsprozess, sondern lässt sie emotional in eine Puppenstubenwelt zurückfallen. Charleen: das launische Kind, das von allen ständig umtüttelt wird. So schrumpft die Geschichte des suizidgefährdeten Teenies im Comedyformat zur banalen Putzigkeit.

About A Girl, Deutschland 2014 - Regie: Mark Monheim. Buch: Mark Monheim, Martin Rehbock. Kamera: Daniel Schönauer. Mit: Jasna Fritzi Bauer, Heike Makatsch, Aurel Manthei, Simon Schwarz, Sandro Lohmann. Tobis, 105 Minuten.

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