81. Oscar-Verleihung in Hollywood Das Zittern beginnt

"Benjamin Button", "Milk" oder "Slumdog Millionäre"? Brad Pitt, Sean Penn oder Mickey Rourke? Die Favoriten stehen fest. Doch gibt es Überraschungen? Hollywood versammelt sich zur 81. Oscar-Verleihung. Ein Ausblick.

Die Filme "Der seltsame Fall des Benjamin Button" mit Brad Pitt in der Titelrolle und das indische Sozialmärchen "Slumdog Millionaire" sind als Favoriten in die 81. Oscar-Verleihung gegangen.

Im Kodak-Theatre in Los Angeles steht alles bereit für die 81. Oscar-Verleihung.

(Foto: Foto: AP)

Sie waren in dreizehn beziehungsweise zehn Kategorien nominiert und hatten damit größte Chancen, einige der begehrtesten Filmpreise der westlichen Welt abzuräumen. Für die beste weibliche Hauptrolle galt Kate Winslet mit ihrer Leistung im Film "Der Vorleser" als Favoritin. Beim Wettbewerb um den besten ausländischen Film ging mit "Der Baader Meinhof Komplex" auch eine deutsche Produktion ins Rennen.

"Der seltsame Fall des Benjamin Button" ist die Geschichte eines Mannes, der als Greis geboren wird und als Baby stirbt. Der Film war mit 13 Nominierungen Spitzenreiter. Der größte Rivale im Wettbewerb um den besten Film des Jahres 2008 für den Streifen von David Fincher dürfte Danny Boyles "Slumdog Millionaire" sein, der zehn Nominierungen erhielt. Auch die indischen Kinder und Jugendlichen, die in "Slumdog Millionaire" drei Hauptrollen in verschiedenen Phasen ihres Lebens darstellen, wurden mitsamt Familie eingeflogen. Für einige war es die erste Auslandsreise überhaupt.

Bei den Hauptdarstellerinnen gab es kaum einen Zweifel, dass die zweifache Golden-Globe-Gewinnerin Kate Winslet ihre großartige Leistung als analphabetische ehemalige KZ-Wächterin samt jugendlichem Liebhaber nun auch mit dem Oscar krönen könnte. Daran dürften auch Streep als strenge Nonne in "Glaubensfrage" und Jolie als verzweifelte Mutter in "Der fremde Sohn" kaum etwas ändern.

Bei den männlichen Hauptdarstellern hingegen war das Rennen zwischen drei Schauspielern völlig offen: Sean Penn hat als homosexueller Politiker in "Milk" ebenso überzeugt wie Brad Pitt als "Benjamin Button" und Mickey Rourke in "The Wrestler".

Deutsche Oscar-Chance für "Baader-Meinhof-Komplex"

Deutsche Filme hatten gleich mehrere Chancen auf Oscar-Ehren: Unter den fünf nominierten Streifen in der Kategorie nicht englischsprachiger Produktionen war sich auch "Der Baader Meinhof Komplex". Allerdings sind die Chancen für das Terroristendrama wohl gering, weil die israelische Trickfilmdokumentation "Waltz with Bashir" als Favorit gilt.

In der Kategorie Dokumentarfilm war Werner Herzogs "Encounters at the End of the World" nicht ohne Aussichten. Und beim den kurzen Realfilmen bewerben sich unter den letzten fünf Auserwählten gleich zwei deutsche Produktionen um einen Oscar: "Auf der Strecke" und "Spielzeugland".

Anstatt Limousinen und diamantbesetzter Schuhe sollte es zur Oscar-Verleihung am Sonntagabend (Ortszeit) angesichts der Wirtschaftskrise Hybridautos und Schoko-Stöckelschuhe geben. Schauspielerin Meryl Streep wollte mit einem nagelneuen silbernen Toyota Prius vorfahren. Schuhdesigner Stuart Weitzman übte sich in diesem Jahr in Bescheidenheit. Anstatt eines Paares mit Edelsteinen besetzter Schuhe im Wert von einer Million Dollar wie in den Vorjahren "gibt es Schokoladenschuhe", sagt er.

Die Imitate seien der Zeit angemessen. Gleichwohl hoffte er darauf, dass sein "großer Fan" Angelina Jolie wieder ein gewöhnliches Paar seiner Stöckelschuhe tragen würde, wie bereits bei der Verleihung der Golden Globes.

Der rote Teppich war am Sonntag bereits ausgerollt. Die Verleihung der Auszeichnung findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Polizei koordiniert ihren Einsatz von einer fliegenden Kommandozentrale in einem Hubschrauber, Straßen wurden für den Verkehr gesperrt und auch eine U-Bahn-Haltestelle stillgelegt. Nicht nur unter den Nominierten ist Deutschland in Hollywood vertreten: Die Schäferhunde "Aya" und "Rex" sind im Einsatz, um Bomben zu erschnüffeln.

In der Nacht vor der großen Oscar-Gala wurden zudem die letzten Filmpreise der Saison vergeben: "The Wrestler" ging am Samstag als Gewinner aus der Verleihung der Independent Spirit Awards hervor, der deutsche Horror-Meister Uwe Boll und US-Partygirl Paris Hilton wurden wenige Stunden später gleich mehrfach mit dem Spottpreis Goldene Himbeere "geehrt". Boll erhielt die ungeliebte Auszeichnung als schlechtester Regisseur für die Filme "Postal" und "Schwerter des Königs - Dungeon Siege". Zudem bekam er eine Sonder-Himbeere für das "Schlechteste bisherige Lebenswerk".

Paris Hilton, die jedes Jahr großzügig mit "Razzies" bedacht wird, handelte sich dieses Mal drei Zuschläge ein - als schlechteste Schauspielerin, für den schlechtesten Film ("The Hottie & The Nottie") und das mieseste Drehbuch. In den entsprechenden Kategorien kam auch Mike Myers mit seiner Komödie "Der Love Guru" zu "Ehren".

"Oh, mein Gott, danke Mama, ich verdiene ihn!"

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