Bester Film "Fuocoammare" gewinnt Goldenen Bären auf der Berlinale

Regisseur Gianfranco Rosi siegt mit seinem Film "Fuocoammare", entschieden hat das unter anderen Meryl Streep, die Präsidentin der Berlinale-Jury.

(Foto: REUTERS)
  • Die Flüchtlingsdoku "Fuocoammare" (Feuer auf See) wird als bester Film der Berlinale ausgezeichnet.
  • Zum ersten Mal seit 60 Jahren siegt damit ein Dokumentarfilm auf der Berlinale.
  • Weitere Werke erhielten Silberne Bären - unter anderem ein philippinisches Epos, das ganze acht Stunden dauert.

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Das Filmfestival Berlinale kürt einen Flüchtlingsfilm zum Sieger. Die italienische Doku "Fuocoammare" (zu deutsch "Feuer auf See") von Gianfranco Rosi bekam den Goldenen Bären. Das gab die Jury unter Vorsitz von Oscar-Preisträgerin Meryl Streep am Samstag bekannt. Der einzige deutsche Film im Wettbewerb, das Abtreibungsdrama "24 Stunden", ging leer aus.

Rosi, selbst in Eritrea geboren, erzählt in dem schonungslosen Film vom Alltag auf der Mittelmeerinsel Lampedusa, auf der seit Jahren Hunderttausende schutzsuchende Menschen ankommen. Er kontrastiert idyllische Szenen vom Alltag der Inselbewohner mit Momenten, die das Grauen der Flucht auf kleinen, völlig überfüllten Booten zeigen. Auch vor Bildern des realen Sterbens schreckt er nicht zurück. Bei der Preisverleihung in Berlin sagte er: "In diesem Augenblick gehen meine Gedanken an all jene, die es nicht geschafft haben, auf Lampedusa anzukommen, der Insel der Hoffnung."

Zum ersten Mal seit mehr als 60 Jahren kürte die Jury damit eine Dokumentation anstatt eines Spielfilms zum Sieger. "Fuocoammare" erhielt auch den Filmpreis von Amnesty International und den Preis der Ökumenischen Jury. Berlinale-Jury-Präsidentin Streep nannte den Film "das Herz" des Filmfestivals.

In weiteren Kategorien gab es Silberne Bären:

Die Auszeichnung für die beste Regie ging an Mia Hansen Løve für den Film "L'avenir".

Als bester Darsteller wurde der Tunesier Majd Mastura ausgezeichnet, der im Gegenwartsdrama "Hedi" die Hauptfigur spielt.

Zur besten Schauspielerin wurde Trine Dyrholm (Film "Kollektivet") gekürt.

Den Silbernen Bären für das beste Drehbuch bekam Tomasz Wasilewski für den Film "Zjednoczone Stany Miłosci" (übersetzt: Vereinigte Staaten der Liebe).

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Der Silberne Bär für eine herausragende künstlerische Leistung ging an den Kameramann Mark Lee Ping-Bing für seine Arbeit am Film "Crosscurrent", der eine Reise über den Fluss Jangtse zeigt.

Acht Stunden Widerstand gegen Kolonialherren

Ein weiterer Silberner Bär ging an den phillipinischen Filmemacher Lav Díaz für sein acht Stunden dauerndes Epos "A Lullaby to the Sorrowful Mystery" (übersetzt etwa: Ein Wiegenlied für das schmerzhafte Geheimnis). Es handelt vom philippinischen Widerstand gegen die spanischen Kolonialherren im späten 19. Jahrhundert. Wie es sich anfühlt, den Marathonfilm anzuschauen, hat Paul Katzenberger hier aufgeschrieben.