SZ-Werkstatt Ulrike Schuster 

und Thorsten Schmitz haben Frauen zu Erfahrungen mit sexueller Belästigung im Alltag befragt. Zu lesen im Buch Zwei.

Dass Schauspielerinnen nicht nur am Set belästigt werden, wissen wir. Aber wie geht es den Frauen, für deren Arbeitsplatz es die berüchtigte Besetzungscouch nicht gibt? Welche lästigen Männer und idiotischen Sprüche erleben Frauen täglich, die längerfristige Verträge haben, Berufskleidung tragen und sich an die gesetzliche Arbeitszeit halten? Diese Frage haben Thorsten Schmitz und ich uns gestellt: Wie ergeht es Kellnerinnen, Sekretärinnen, Putzfrauen, Kassiererinnen und Krankenschwestern mit ihren männlichen Chefs, Kollegen und Kunden? Digital und analog haben wir Frauen in den verschiedenen Arbeitswelten gesucht. Wir schrieben Mails, kontaktierten auf gut Glück über die sozialen Netzwerke, fragten im Bekanntenkreis und sprachen die Frauen auf der Straße an. Wir fragten sie: "Haben Sie Belästigung erlebt, wollen Sie erzählen? Und überhaupt: Was halten Sie eigentlich von der Debatte um MeToo?"

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Chance oder Plage? Viele Frauen waren bereit, uns zu treffen oder mit uns zu skypen. Es wurden Gespräche, die Stunden dauerten, anfangs noch zurückhaltend, im Verlauf immer offener und detaillierter. Wenige wollten mit ihrem vollen Namen oder ihrem Foto in der Zeitung stehen. Die Sekretärin, die heute als Lehrerin arbeitet, wollte nicht, dass ihre Schüler sie im Internet finden, die Köchin wollte von ihren Kollegen nicht als "Verräterin" gebrandmarkt werden, die Fernsehpraktikantin fürchtete, dass man sich im Kollegenkreis das Maul zerreißt, die Fleischereifachverkäuferin arbeitet immer noch in ihrem Betrieb und weiß nicht, wie der eigene Chef auf den Vorwurf sexueller Belästigung in seinem Laden reagieren würde. Und die anderen? Die hatten Angst. Vor ihren Arbeitgebern. Im Buch Zwei ist die ungeschminkte Wahrheit 14 Mal zu lesen - offen, ehrlich, schonungslos.