SZ-Werkstatt Silvia Liebrich

Silvia Liebrich ist seit 18 Jahren Wirtschaftsredakteurin bei der SZ. In der ersten Hälfte hatte sie viel mit Lobbyisten aus der Finanzwelt zu tun, in der zweiten mit jenen aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft.

(Foto: Privat)

...weiß aus langjähriger Erfahrung, wie Lobbyisten ticken. Bei bestimmten Themen läuft die Lobbymaschine zuverlässig wie geschmiert, das zeigt das aktuelle Beispiel des Kommentars über die Notwendigkeit der Zuckersteuer.

Ohne Lobbyisten wäre das Leben langweilig, zumindest das von Journalisten. Laut Duden ist ein Lobbyist, wer "Abgeordnete für seine Interessen zu gewinnen sucht". Von Zeitungsredaktionen ist in diesem Zusammenhang jedenfalls nicht die Rede, dennoch sind sie auch dort omnipräsent. Es gibt Tage bei der SZ, da kann Frau sich neben das Telefon setzen, mit der Gewissheit, dass es bestimmt in den nächsten Minuten läuten wird. Ein Thema, das da immer gut geht, ist Zucker. Hier funktioniert die Lobbymaschinerie wie geschmiert, das hat sich diese Woche wieder einmal gezeigt. Ein Kommentar über die Notwendigkeit einer Zuckersteuer hat völlig ausgereicht. Sofort werden Recherchehilfe und Hintergrundinformationen angeboten. Ein Industrieverband lässt freundlich anfragen, ob man denn eine Gegenposition anbieten dürfe, etwa in Form eines Gastkommentars? Kann man. Abdruckgarantie gebe es freilich keine, in jedem Fall aber werde gründlich geprüft. Kaum aufgelegt, der nächste Interessenvertreter. Er spricht für eine Verbraucherorganisation - auch ein Lobbyverein, nur eben bürgernah und mit deutlich geringerem Budget als ein Wirtschaftsverband. Es gäbe eine neue Aktion in Sachen Zucker, sagt er, ob wir nicht Interesse hätten. Dieselbe Antwort: "Danke für die Information, wir prüfen, keine Garantie." Fast gleichzeitig poppt auf dem Bildschirm eine Mail von Leserin G. auf - auch Leser treten mitunter als Lobbyisten auf, wenn es um die eigene Sache geht. Nicht so Frau G. an diesem Tag, sie freut sich einfach nur und schreibt: "Noch völlig verpennt den Wirtschaftsteil in die Hand nehmen, 'Zucker' lesen, 'Berg' denken, und erst beim Lesen merken, das es um eine Steuer geht, zeigt (auch), dass die Süddeutsche immer wieder eine Überraschung ist."

Wie schön ist es doch, dass es Leser und Lobbyisten gibt!