SZ-Werkstatt Schirm, Charme, Clooney

Wie es ist, nach einem plötzlichen Regenschauer George Clooney zu interviewen, beschreibt Susan Vahabzadeh.

Von Susan Vahabzadeh

Sich von Berufs wegen mit Filmstars zu treffen, ist selten so glamourös, wie es klingt. Es gibt Dinge, die hat man einfach nicht in der Hand. Als ich unlängst George Clooney zu dem Interview traf, das heute im Feuilleton (Seite 17) zu lesen ist, gab es beispielsweise ein Unwetter. Es blieb mir nichts anderes übrig, als durch einen kräftigen Regenguss zu laufen, selbstverständlich ohne Schirm, um rechtzeitig im Hotel Excelsior in Venedig zu erscheinen. George Clooney gab sich ganz mitfühlend, als ich dann tropfnass vor ihm stand, und er behauptete, der Regen habe auch ihn erwischt - das war sehr nett von ihm; er selbst war allerdings staubtrocken. Man muss nicht allzu eitel sein, um sich ein bisschen fehl am Platz zu fühlen, wenn man dasteht wie ein begossener Pudel.

Dafür darf ich dann aber manchmal mit Leuten reden, die mich das ganz schnell vergessen lassen, weil sie nicht nur vorgefertigte Antworten herunterspulen, sondern tatsächlich etwas loswerden wollen, so wie George Clooney; eigentlich selbst etwas wissen wollen, wie Catherine Deneuve; oder, eine meiner schönsten Erinnerungen, diskutieren möchten, wie es Peter Ustinov gern tat. Der konnte das sogar auf mehreren Sprachen und wollte sich bei einem Treffen ein paar Jahre vor seinem Tod 2004 erst einmal über einen Artikel über den damaligen Außenminister Joschka Fischer unterhalten, den er in der SZ gelesen hatte.

Manchmal begegnet man bei Interviews auch Leuten, die nicht halten, was sie auf der Leinwand versprechen - es kann einem den Spaß an ihren nächsten Filmen nachhaltig verderben, wenn man weiß, dass jemand in Wirklichkeit unsympathisch oder lange nicht so eloquent ist wie die Figuren, die ihm oder ihr begabte Drehbuchautoren auf den Leib schreiben. Bei George Clooney besteht diese Gefahr nicht: Der schreibt sich seine Drehbücher manchmal sogar selbst.