SZ-Werkstatt Neue Formen des Dialogs

Daniel Wüllner arbeitet seit 2007 für die SZ. Mehr als eine Million Leserkommentare hat er in dieser Zeit gelesen. Seit 2016 koordiniert er den Facebook-Auftritt der SZ und die digitale Kommunikation mit den Lesern.

(Foto: Daniel Hofer)

Daniel Wüllner, Teamleiter "Social Media und Leserdialog", redet täglich mit Lesern. Kürzlich hat er zu digitalen Diskussionsrunden eingeladen.

Von Daniel Wüllner

Wir müssen reden! Das tut Daniel Wüllner, Teamleiter "Social Media und Leserdialog", jeden Tag mit Lesern. Allerdings nicht auf dieser Seite, sondern auf SZ.de, Facebook, Twitter und per Whatsapp. Für das Democracy Lab hat er Autoren und Leser zu digitalen Diskussionsexperimenten eingeladen:

"Ist ein Leser unzufrieden mit einem Artikel oder anderer Meinung, schreibt er einen Brief, eine E-Mail oder postet einen Kommentar auf Facebook. Der Brief wird veröffentlicht, die Mail vom Autor beantwortet. Nur der Facebook-Kommentar steht in der Öffentlichkeit. Natürlich greifen wir die Stimmung in den sozialen Netzwerken auf und geben sie zusammen mit sachlicher Kritik an die Kollegen weiter. Doch die Diskussion auf Facebook ist anstrengend, weil jeder gleichzeitig spricht und es wenig Regeln gibt.

Warum aber tritt der Autor nicht einfach direkt in Kontakt mit Lesern? Genau diese Frage hat die Süddeutsche Zeitung mit dem Democracy Lab beantwortet. SZ-Autoren sind in deutsche Städte gefahren, um mit Menschen zu diskutieren. Und beim Online-Artikel "Soziale Medien gehören in die Klassenzimmer" haben wir Leser gebeten, uns nach der Lektüre ihr Feedback zu schicken - per Whatsapp. Die größte Sorge bei dem Experiment: Niemand macht mit. Doch mehr als fünfzig Leser haben ihre Nachrichten direkt an den Autor geschickt. Der hat geantwortet. Allen. Mehrfach. Und die interessantesten Diskussionen haben wir in einem Folgeartikel veröffentlicht (zu finden unter: www.sz.de/unterricht).

Aus meiner Sicht hat das Democracy Lab auch online bewiesen, dass es eine Nachfrage nach mehr öffentlichem Diskurs gibt. Ein demokratischer Meinungsaustausch muss über den Mailverkehr zwischen Autor und Leser hinausgehen. Es braucht neue Diskussionsformen, die für beide Seiten geeignet sind."