SZ-Werkstatt Moritz Baumstieger

Berichtet seit 2016 für die Außenpolitik und vor allem über die Länder des Nahen Ostens. Und das geht auch gut von seinem Münchner Schreibtisch aus.

"Next week, inshallah", also "Nächste Woche, so Gott will": Mit den Anträgen für Visa, auf die man ewig wartet, könnten viele über den Nahen Osten und Nordafrika berichtende Journalisten ihre Redaktionsräume tapezieren. Gott scheint ziemlich oft nicht zu wollen, oder nicht in absehbarer Zukunft - wobei meist doch eher autoritäre Regierungen die Ausstellung der Dokumente verzögern oder verhindern und keine höhere Macht. In andere Gebiete - unter anderem einige unter Kontrolle der Aufständischen in Syrien - könnte man als Journalist zwar einreisen. Das Entführungsrisiko wäre aber enorm.

Das stellt Berichterstatter vor ein Dilemma: Zwar lassen sich Krisen und Konflikte wie etwa der in Syrien heute durch die sozialen Medien quasi in Echtzeit verfolgen, fast jeder abgefeuerte Schuss ist irgendwo per Handyvideo dokumentiert. Das Überprüfen solcher angeblicher Fakten durch eigene Anschauung ist in einigen Fällen jedoch nur schwer möglich.

Eine Lösung für dieses Problem finden andere Journalisten und ich in der Informationsflut selbst: Über Facebook und Twitter, über Empfehlungen von Kollegen lassen sich teils in Minutenschnelle Menschen finden, die gerade in der Rif-Region Marokkos gegen die Regierung demonstrieren oder per Whatsapp aus ihrem nordsyrischen Flüchtlingscamp berichten. Natürlich haben sie parteiische Interessen, sind eher Aktivisten als Journalisten. Ihre Stimmen sind aber - gegengecheckt, mit anderen Aussagen abgeglichen und richtig eingeordnet - weitere wichtige Puzzleteile, die offizielle Verlautbarungen und die oft widersprüchlichen Angaben von Konfliktparteien ergänzen. Über die Zeit entsteht so ein Netzwerk an Informanten, das jene wichtigen Kontakte ergänzt, die man auf Reisen kennengelernt und als vertrauenswürdig eingeschätzt hat.