SZ-Werkstatt Ins Bild gesetzt

Sonja Marzoner, 32, ist in Bozen geboren und aufgewachsen. Sie hat dort und in Venedig Grafik- und Produktdesign studiert und ist seit 2014 bei der SZ, seit 2016 als Fotoredakteurin.

(Foto: privat)

Am Wochenende 16./17. September erscheint in der SZ eine Sonderbeilage zur Bundestagswahl. Sonja Marzoner ist dafür einmal quer durch Deutschland gereist und hat neue Bundestagskandidaten fotografiert.

Von Sonja Marzoner

Für die SZ-Sonderbeilage zur Bundestagswahl, die am Wochenende 16./17. September erscheint, hat Sonja Marzoner acht Kandidaten fotografiert, die sich erstmals für den Bundestag bewerben:

Wenn man sich die Wahlplakate ansieht, die derzeit allerorts hängen, scheint das Fotografieren von Politikern eine öde Sache zu sein. Gar nicht langweilig, dachte ich mir dann aber, als ich neben Bernd Schreiner auf dem Traktor saß und wir durchs ländliche Thüringen tuckerten. Er ist Kandidat für die Piraten, aber auch Hobbyimker, und wir waren unterwegs zu seinen Bienenstöcken, vor denen ich ihn fotografieren wollte.

Den Ort für das Fotoshooting durfte sich jeder selbst aussuchen. Um den Fotos eine einheitliche Ästhetik zu verpassen, stellte ich die Politiker vor eine Leinwand, fotografierte aber immer auch etwas von der Umgebung drum herum mit. Die Leinwand im Gepäck, reiste ich quer durch Deutschland. Von Denklingen in Bayern nach Berlin und eben auch nach Thüringen. Dort zerriss beim Versuch, die Leinwand vor den Bienenstöcken aufzubauen, der Wind das Papier. Insgesamt gingen während dieses Fotoprojekts einige Rollen Papier drauf.

Jeder Bewerber sollte auch etwas mitbringen, das ihm wichtig ist. Mitgebracht wurden Töchter, ein Vater, eine Simson Schwalbe, eine Zeichnung, ein Fahrrad, ein Eispickel - und ein Hund.

Es gab auch unschöne Momente. Beispielsweise kam es zu einer Begegnung zwischen der AfD-Politikerin und Passanten, die sie lautstark beschimpften. Als Antwort darauf hisste der Ehemann, der das Ganze mitbekommen hatte, in ihrem Garten die deutsche Flagge. Die schönen Momente hingegen waren die Gespräche mit den Politikern, die über alle Parteien hinweg aufgeschlossen waren.