SZ-Werkstatt Heimkehr ohne Hoffnung

Tomas Avenarius, 55, hatte sich schon in Afghanistan verliebt, bevor er Journalist wurde. Auch als er 15 Jahre aus Russland und dem Nahen Osten berichtete, blieb dieses Land immer etwas Besonderes für ihn.

(Foto: Catharina Hess)

Tomas Avenarius, Autor des Buch Zwei über abgeschobene Asylbewerber, berichtet über seine Reise in die afghanische Hauptstadt Kabul.

Tomas Avenarius, Autor des Buch Zwei über abgeschobene Asylbewerber (Seiten 11 bis 13), erzählt von seiner Reise in die afghanische Hauptstadt Kabul. Vorher hatten seine Kollegen Bernd Kastner und Jan Heidtmann wochenlang recherchiert, bis sie die Identitäten der 26 Afghanen kannten, die am 23. Januar mit Flug IG 2080 abgeschoben worden waren. Fast jeder Ort, an dem man lange nicht war, sieht anders aus als früher. Schöner geworden ist Kabul nicht. Neubaufieber, billig und schnell, Fassade klebt an Fassade. Dazu Barrikaden, Bewaffnete, Belagerungszustand. Aber schön war die Stadt auch früher nicht. Als König Zahir 2002 aus dem Exil heimkehrte, die USA hatten die Taliban gestürzt und bin Laden vertrieben, war Kabul noch zerschossen.

Dennoch war damals ein Riesenauflauf: Weltpresse, Kameras, Kabuls Flughafen als globaler Rummelplatz. Manche spürten 2002 Aufbruch und Hoffnung für ein 30 Jahre lang vom Krieg gequältes Land. Demokratie, Wiederaufbau, Frauenrechte waren Stichworte. Fast nichts davon hat sich eineinhalb Jahrzehnte später erfüllt. Heute kommen am Hamid-Karsai-Airport keine Könige, sondern abgeschobene Flüchtlinge aus Deutschland an. Die Berliner Regierung ist froh, dass sie sie los ist, die afghanische nimmt sie murrend auf. Diese Heimkehrer sind keine Hoffnungsträger; sie sind gescheitert bei der Suche nach einem besseren Leben, in Deutschland.

Auch Afghanistan selbst droht zu scheitern. Die Taliban sind erneut auf dem Vormarsch, in Kabul gehen die Bomben hoch, auch der "Islamische Staat" mordet dort inzwischen. Wer über Land fährt, riskiert viel. Das war einmal anders. Ob die im Bürgerkrieg verfeindeten Mudschahedin oder die frühen Taliban: Böses wollten sie dem Fremden selten. So unverständlich ihre Ziele und so absurd ihre Streitigkeiten waren, man war Gast und hatte nichts zu befürchten. Das wenigstens war damals besser in Afghanistan. .