SZ-Werkstatt Harare und das ewige Warten auf Besserung

Bernd Dörries hat in Tübingen, Berlin und New York studiert, bei der SZ volontiert und ist seit Februar 2017 Afrika-Korrespondent. Zuvor berichtete er bereits aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

(Foto: privat)

SZ-Afrika-Korrespondent Bernd Dörries lebt in Kapstadt. Dort erzählten ihm Flüchtlinge aus Simbabwe über ihre Heimat. Seit dem Putsch ist Dörries dort. Er fand: ein Land im Konjunktiv.

Von Bernd Dörries

Von Kapstadt heißt es ja oft, dass die Stadt nur wenig mit Afrika zu tun habe. Das ist falsch und richtig zugleich, sofern das überhaupt geht. Teile der Stadt am Kap der Guten Hoffnung haben eher etwas von der kanarischen Insel Teneriffa oder von Mallorca, was eine magische Anziehungskraft auf deutsche Urlauber in Trekkingkleidung ausübt. Andere Viertel unterscheiden sich weniger vom Rest des Kontinents.

Im Guten wie im Schlechten. Im Guten bedeutet das, dass man schnell Kontakt bekommt. Bis zum Frühjahr war ich der Korrespondent der SZ in Nordrhein-Westfalen, habe in Köln gewohnt. Das war schon mal keine schlechte Vorbereitung, auch dort wird man schnell angesprochen, ohne dass es dafür einen wirklichen Grund braucht, außer um des Sprechens willen.

Auch in Kapstadt ist man wenig allein. Ich habe viele Menschen kennengelernt, von denen ich erst dachte, dass sie Einheimische seien, die sich dann aber auch als Zugereiste herausstellten. Sie kommen aus Simbabwe und arbeiten als Taxifahrer, Kellner, Künstler und Journalisten. Es ist so, als hätte ein kleines Land beschlossen, komplett umzuziehen. Drei Millionen Menschen aus Simbabwe sollen in Südafrika sein.

Diejenigen, die ich getroffen habe, haben mir erzählt, wie ihr Land in den vergangenen Jahren zerbröselt ist. Dabei haben sie oft laut gelacht. Ich kannte Simbabwe also schon aus Erzählungen, bevor ich es das erste Mal sah. Seit Mittwoch bin ich nun in Harare, in einem Land, das so ist, wie es die Simbabwer in Kapstadt erzählt haben. Ein Land im Konjunktiv - es könnte so viel sein, es ist so wenig. In den Straßen stehen Panzer, die Soldaten schauen freundlich, sagen, jetzt wird alles besser, eine Art demokratischer Putsch. "Wir wollen eine gute Suppe", sagt einer. Man ahnt, was er meint, er will an die Fleischtöpfe, ein Stück vom Reichtum. Und hofft doch, dass es anders kommt.