Dieses Faktum wird in Deutschland gerne so diskutiert, als sei es ein Gerechtigkeitsproblem. Es darf doch nicht sein, hört man dann, dass eine Frau bei gleicher Kompetenz zehn Prozent weniger verdient als ein Mann. Das stimmt, doch mindestens genauso problematisch ist der Einfluss, den ungleiche Gehälter auf Familien haben. Die Gehaltslücke ist der große Stabilisator des traditionellen Familienmodells. Solange sich hier nichts bewegt, ändert sich auch die Rollenverteilung nicht.
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Das kann man an unzähligen privaten Beispielen durchrechnen: Wenn der Mann 3000 Euro verdient, die Frau aber nur 2500, dann ist die Frage, wer seine Arbeit zugunsten der Familie zurückschraubt, schnell beantwortet: Es ist die Frau. "Wir können es uns nicht leisten, dass ich meine Arbeitszeit reduziere", sagen die Männer dann - und das blöde daran ist, es stimmt leider oft. Der Kontostand ist der Killer der guten Vorsätze.
Dies ist das wichtigste Thema der deutschen Familienpolitik. Wer Männern eine andere Rolle in den Familien ermöglichen will, muss die Einkommen der Frauen verbessern. Verglichen damit ist der Rest Kleinkram: Selbst wenn die Kitas in ein paar Jahren perfekt ausgebaut wären, selbst wenn die Vätermonate des Elterngeldes noch beliebter wären, selbst wenn der männliche Hauptverdiener als Rolle noch unpopulärer würde - solange sich die Einkommen von Männern und Frauen nicht annähern, bleiben Männer am Schreib- und Frauen am Esstisch.
Wenn sich das ändert, werden viele Männer vielleicht zunächst irritiert reagieren: Huch, bin ich wirklich nicht mehr derjenige, der das meiste Geld heimbringt? Das kränkt den Mann, keine Frage. Aber es schafft Spielräume. Dann nämlich können Paare freier entscheiden, wer welchen Part in der Familie übernimmt. Und erst dann können Väter ein Leben führen, von dem sie heute nur vor der Geburt ihre Kinder träumen. Es wäre eine echte Entlastung für alle Beteiligten.
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(SZ vom 01.10.2011/tina)
Christopher Lee zum 90.
"Seit Generationen sind die Rollen von Mann und Frau mehr oder weniger festgelegt. Und nun soll alles aufgeweicht und alles gleich gemacht werden. Wieso eigentlich?"
Ganz einfach, lieber Heinz: Ich möchte die Entscheidungsfreiheit haben, ob ich lieber meiner Karriere nachjage oder meine Kinder großziehe. Und ich möchte mir (als Mann) kein blödes Geschwätz anhören müssen, wenn ich mich für letzteres entscheide. Gebongt?
Seit Generationen sind die Rollen von Mann und Frau mehr oder weniger festgelegt. Und nun soll alles aufgeweicht und alles gleich gemacht werden. Wieso eigentlich? Wegen ein paar seltsamer Ideen Spät-68 und Grüner? Es wird doch jetzt schon Jungs im Kindergarten verboten mal zu bolzen oder, ach Gott - bzw. Göttin, mal zu raufen.
Mit einer traditionenellen Aufgabenteilung ist Deutschland doch nicht schlecht gefahren - warum soll also was Gutes geändert werden?
Nicht die Männer verdienen zu viel, sondern die Frauen zu wenig.
Frauen suchen sich meist einen Partner mit höherem sozialen Status und Einkommen, oder mindestens gleich hoch. Viele gut verdienende Frauen bleiben daher lieber Single als "nach unten zu heiraten". Viele Männer mit niedrigem Einkommen oder Arbeitslose gehen daher auf dem Partnermarkt leer aus.
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Infolgedessen ist der Einkommensunterschied in real existierenden Paaren vermutlich noch größer als die statistisch festgestellten (oder vom Autor geschätzten) 25% in der Gesamtgesellschaft bzw. 10% bei gleichartiger Arbeitsstelle (und vielleicht 0% bei gleichem zeitlichen Arbeitseinsatz?).
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Würden sich mehr Frauen sozial auch "nach unten" orientieren, und einen Partner akzeptieren, der beruflich nicht so viel erreicht hat, sich aber gut als Hausmann bewähren könnte, gäbe es einige Probleme weniger. Vielen jungen Frauen fehlt aber auch das Vertrauen, das der Mann "es auch kann".
"Ganz schnell kommt man dann bei einigen Berufen zu der Erkenntnis das sie schlechter bezahlt sind weil sie vor allem von Frauen ausgeübt werden"
Wenn das so wäre, müßten ja die Männer in den entsprechenden Berufen unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren besser bezahlt werden. Das ist aber nicht der Fall.
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