Die Jugend kann nicht lesen, schreiben und rechnen. Viele Betriebe müssen mit Nachhilfe ausgleichen, was in den Schulen versäumt wird. Das ist beschämend.
Es ist ein verheerendes Ergebnis, das der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seiner jüngsten Umfrage zutage gefördert hat: Es bewerben sich nicht nur zu wenige junge Leute um eine Lehrstelle, sondern viele sind für eine Ausbildung auch noch nicht reif. Die Jugend kann nicht rechnen, lesen und schreiben, so lautet das - freilich zugespitzte - Fazit. Die Betriebe beklagen aber auch die mangelnde Disziplin, Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit.
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Ungebildete Azubis: Viele Firmen müssen das ausgleichen, was in der Schule und im Elternhaus versäumt wurde. (© Foto: ddp)
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Viele Firmen müssen das ausgleichen, was in der Schule und im Elternhaus versäumt wurde. Es ist beschämend, dass Nachhilfe in den Unternehmen die Regel geworden ist. Und das, obwohl die Lehrpläne oft so vollgestopft sind, dass für die Schüler mehr als ein Acht-Stunden-Arbeitstag herauskommt. Zuweilen wäre weniger mehr: Die Grundlagen müssten intensiver geübt, anderswo müsste abgespeckt werden.
Die gerne belächelten Sekundärtugenden spielen im schulischen Alltag schon gar keine Rolle mehr. Doch Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit sind keineswegs "von vorgestern". Denn sie erleichtern das tägliche Miteinander enorm. Wer unpünktlich zur Arbeit kommt, verlässt sich darauf, dass andere zunächst den Job miterledigen. Das ist egoistisch und zerstört den Teamgeist. Der ist aber wichtig, damit sich kreative Ideen in den Firmen entwickeln. Viele Innovationen entstehen ja gerade in der Gruppe.
Wer an seinem Arbeitsplatz unzuverlässig ist, macht schlechte Arbeit und so vielleicht ein minderwertiges Produkt. Damit schädigt er seinen Arbeitgeber und gefährdet womöglich Arbeitsplätze, wenn Kunden zur Konkurrenz abwandern. Disziplin hat viel mit Solidarität zu tun. Sie dient den Menschen.
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(SZ vom 09.04.2010/holz)
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dass wir etwas älteren noch wissen, wie wichtig sekundärtugenden sind ist gut und schön. aber was sehen die kinder? der eine bekommt (wenig) geld ohne arbeit, der andere bekommt (obszön viel) geld ohne arbeit. wer auf gemeinschaft und astand pocht ist ein spießer, wer auf soziale tugenden verzichtet hat vorteile. cool ist angesehener als klug.
und dann sollen die 15jährigen plötzlich an der werkbank stehen und als teammitglied funktionieren? es ist die marktradikalisierung, die hier die basis verrotten läßt.
Nur am Rande "einbläuen" schreibt man nach aktueller Rechtschreibung mit "äu" und nicht mit "eu". Wenn wir schon von schlechter Rechtschreibung reden ;-)
Wie kann man den Schuelern einen Vorwurf dafuer machen, wenn sie nachahmen, was sie bei den meisten Erwachsenen sehen, auch den Eltern und Vorgesetzten: Z.B., dass man zur Verabredung nicht mehr puenktlich kommt, sondern mit dem Handy anruft, dass man sich verspaetet. Macht ja nichts, dass der andere dann eine Stunde alleine im Cafe sitzt, er weiss ja zumindest bescheid. Oder dass man seine Arbeit nicht in Buero erledigt, sondern den Laptop mit nach Hause nimmt, um dann im Zug oder nebenbei beim Fernsehen die Deadline bis zum letzten auszuschoepfen - weil man tagsueber wegen lauter Internet-Surfen nicht fertig geworden ist. Auf schlechte Rechtschreibung darf man auch niemanden ansprechen, da dies ja der Fehler der Word-Autokorrektur sein koennte - dies wurde mir angesichts eines Lebenslaufes gesagt, in dem der Bewerber mehrfach seinen eigenen HOCHSCHULABSCHLUSS falsch geschrieben hatte.
Die Schueler sollen nicht in Kursen eingebleut bekommen, woran sich im taeglichen Leben keiner mehr haelt - nur durch positive Beispiele in ihrem Umfeld setzen sich diese Tugenden passiv durch.
Sehe ich auch so. Die jahrelange Rosinenpickerei (ich las Stellenanzeigen in denen ein Duisburger Malerbetrieb als Mindestvoraussetzung für einen Ausbildungsplatz Abitur angab, ein Friseurbetrieb in Bochum wollte mindestens Fachabi) hat dazu geführt, dass die Unternehmen ein bisschen arg verwöhnt sind. Jetzt wo sie nehmen müssen was sie kriegen können ist das Entsetzen angeblich groß.
Wenn man sich anschaut, wieviele Halb- und Ungebildete vor 40-50 Jahren durch die deutsche Wirtschaft geturnt sind, müsste eigentlich längst alles den Bach runtergegangen sein. Damals hatten selbst Lernbehinderte noch eine gute Chance auf eine Lebensstellung als Hilfsschlosser. Das ist natürlich heute anders.
Möglicherweise halten aber auch die Ausbilder mit der Veränderung der Welt nicht schritt. Selbst der Bundestag sitzt voller Internetausdrucker. Einen Computer bedient aber inzwischen auch ein Förderschüler im Halbschlaf ohne Probleme. Er verfügt also über Kompetenzen, die einem großen Teil derer, die ihm seine Ungebildetheit und/oder Faulheit anlasten, nicht zur Verfügung stehen.
"The times they are a-changin..."
Man sollte unbedingt den Betroffenen Nachhilfe in den Sekundärtugenden an Beispielen aus Japan oder China geben und deutlich mit Sanktionen arbeiten. Immerhin haben wir eine allgemeine Schulpflicht. Das scheint man hierzulande zuweilen vergessen zu haben. In einer Rundfunk Diskussion war vor einigen Jahren eine Referentin zu bestaunen, die keine Dreisatz Aufgaben lösen konnte. Als Hörer habe ich das für einen schlechten Witz gehalten. Doch weit gefehlt, das war ernst. Aber, Vince Ebert hat es schön beschrieben:" Es gibt Kultusministerien, die betrachten es als einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz, wenn die Lehrer ein größeres Wissen als ihre Schüler haben"!
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