Studie zu Gehaltsentwicklung Löhne stagnieren seit einem Jahrzehnt

Seit 2000 ist es den deutschen Arbeitnehmern nicht gelungen, ihre Löhne zu steigern. Wer ohnehin nur wenig verdient, muss heute sogar mit bis zu 22 Prozent weniger auskommen. Schuld an der Entwicklung sind die Leiharbeit, schlecht verhandelnde Gewerkschaften - und Frauen.

Von Guido Bohsem

Die deutschen Arbeitnehmer haben in den vergangenen zehn Jahren ihr Nettoeinkommen nicht steigern können. Wer zu den Geringverdienern zählt, verzeichnete sogar einen deutlichen Rückgang seines real verfügbaren Einkommens. Beschäftigte mit einem monatlichen Netto-Einkommen von mehr als 1600 Euro waren davon nicht betroffen, sie erhielten im Schnitt der vergangenen zehn Jahre aber auch keine Lohnerhöhungen. Das geht aus einer Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Im Durchschnitt sank das verfügbare Netto-Einkommen um 2,5 Prozent und trug somit zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit bei.

Die Lohnentwicklung in Deutschland ist seit 2000 rückläufig, belegt eine Studie des DIW.

(Foto: dpa)

Nach Einschätzung des DIW-Experten Markus Grabka ist die Entwicklung im Niedriglohnbereich vor allem mit den Veränderungen in der Arbeitswelt zu erklären. So habe sich der Anteil der Zeit- oder Leiharbeiter deutlich erhöht, die trotz gleicher Beschäftigung meistens weniger verdienten. Zudem habe die Zahl der Teilzeit-Beschäftigten zugenommen, die aufgrund der kürzeren Arbeitszeiten auch weniger verdienten. Letzteres sei durch die Einführung der Mini-Jobs verstärkt worden.

Schließlich habe auch die Preisentwicklung ihren Anteil an der Entwicklung - und der Umstand, dass viele Gewerkschaften nicht in der Lage waren, ausreichend hohe Lohnabschlüsse durchzusetzen. Zudem sei der Anteil der Frauen unter den Arbeitnehmern gestiegen, die in der Regel schlechter bezahlt würden als ihre männlichen Arbeitskollegen.

Grabka stützt seine Erhebung auf das Sozio-ökonomische Panel (Soep). Darin werden 23.000 Personen in 12.000 Privathaushalten regelmäßig befragt. Bei der Untersuchung der Gehaltsentwicklung der vergangenen zehn Jahre handelt es sich um eine Sonderauswertung.

Wer zur Jahrtausendwende noch 270 Euro netto im Monat verdiente, hatte 2011 nur noch 211 Euro zur Verfügung. Das ist ein Rückgang von gut 21 Prozent. Ein Zehntel seines Nettogehalts büßte ein, wer 2000 noch 1073 Euro in der Tasche hatte. Ihm blieben eine Dekade später nur noch 963 Euro.

Aber auch im Bereich der besser bezahlten Tätigkeiten geht es nach der Erhebung netto kaum einem Arbeitnehmer besser als noch vor zehn Jahren. Hier könnten die Zahlen des Panels jedoch täuschen, sagt Grabka. "Viele Unternehmen sind in der jüngsten Vergangenheit dazu übergegangen, ihren Mitarbeitern am Ende des Jahres einen Bonus zu zahlen, wenn das Geschäftsjahr gut gelaufen ist." Diese Sonderzahlungen gingen aber nicht in die Zahlen des Soep ein.